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Es gibt eine Vielzahl verschiedener Definitionen der literarischen Science Fiction, die durchaus erhellend sein können. Im Falle der Science Fiction für junge Leser bin ich allerdings anders vorgegangen und habe nicht primär nach der allgemeingültige Definition gesucht.
Es gibt eine Vielzahl verschiedener Definitionen der literarischen Science Fiction, die durchaus erhellend sein können. Im Falle der Science Fiction für junge Leser bin ich allerdings anders vorgegangen und habe nicht primär nach der allgemeingültige Definition gesucht.
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Science-Fiction für junge Leser

Zwischen Star Wars und Harry Potter

Von Ralf Steinberg

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ie Begeisterung für Darth Vader oder Lord Voldemort ist unter jungen Lesern ungebrochen. Unser neuer Redakteur Bartholomäus Figatowski nahm in seiner kürzlich veröffentlichten Dissertation das Genre Science-Fiction für Kinder und Jugendliche unter die Lupe. 

Das nun folgende Interview mit Bartholomäus Figatowski über seine jüngst veröffentlichte Dissertation ist ein Gastbeitrag von Ralf Steinberg, der zuerst in FantasyGuide erschien.

Ralf Steinberg: Hallo Bartel, Du bist Literaturwissenschaftler, Herausgeber phantastischer Anthologien und Lehrer – das sind doch eigentlich drei Leben! Wie bekommst Du das alles unter einen Hut und was machst Du sonst noch so? 

Bartholomäus Figatowski: Nun, das ist schon recht tagesfüllend, momentan besonders letztere Tätigkeit. Seitdem ich an der Schule unterrichte, komme ich kaum noch dazu, längere Artikel oder Essays zu schreiben. Ich habe aber die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sich das irgendwann noch einpendeln wird. Schauen wir mal, wie mein nächster Stundenplan wird ... 

Steinberg: Wenn man sich wissenschaftlich mit SF beschäftigt muss man ständig über Definitionen nachdenken, aber die wahre allgemeingültige Definition von SF war bisher noch nicht dabei, oder? 

Figatowski: Es gibt eine Vielzahl verschiedener Definitionen der literarischen Science Fiction, die durchaus erhellend sein können. Im Falle der Science Fiction für junge Leser bin ich allerdings anders vorgegangen und habe nicht primär nach der allgemeingültige Definition gesucht. Stattdessen versuche ich von möglichst vielen Texten ausgehend die Gestaltungsformen und geschichtlichen Traditionslinien der Science Fiction für junge Leser auszuloten. Dabei finde ich es spannend, die Schnittmengen von phantastischen Kinderbüchern mit dem SF-Genre als auch mit der allgemeinen Kinder- und Jugendliteratur zu untersuchen. 

Steinberg: Muss man als Wissenschaftler nicht ständig damit rechnen, sich die Lektüre eines Buches durch den analytischen Blick zu verderben? 

Figatowski: Ganz im Gegenteil habe ich nicht selten das Gefühl, dass die Lektüre dank des analytischen Blicks an Wert für mich gewinnt. Das gilt auch für das Anschauen von Filmen, etwa nach dem Lesen von Rezensionen. Ich kann das literarische bzw. filmische Werk noch stärker wertschätzen. Ein Beispiel: Den Wizard of Oz fand ich bereits beim ersten Anschauen grandios. Die Lektüre von Salman Rushdies einschlägigen Essay hat meine Begeisterung für Victor Flemings Verfilmung aber noch weiter gesteigert. 

Steinberg: Deine Arbeiten als Herausgeber versuchen Lokalkolorit mit außergewöhnlichen Geschichten zu verbinden. Wie kam es zu dieser Idee und gibt es schon neue Projekte? 

Figatowski: Am Anfang hatte ich die Idee eine Anthologie mit phantastischen Geschichten über Köln herauszubringen, wo ich mehr als zehn Jahre gewohnt habe. Leider zeigten sich die Verlage skeptisch, ich wich auf den hohen Norden aus und gab eine phantastische Schleswig-Holstein-Anthologie heraus. Dann ging es weiter mit dem Basilikumdrachen aus dem phantastischen Ruhrgebiet und nun ist eine Niederrhein-Anthologie im Druck. 

Steinberg: Auch als Herausgeber muss Du unter einer Vielzahl an angebotenen Texten wählen – wie vereinbarst Du literarischen Anspruch und Lesererwartungen? 

Figatowski: Die regionalphantastischen Anthologien, die bisher herausgegeben habe, gehen auf Ausschreibungen zurück, bei denen die Autoren von den Verlagen zwar Belegexemplare, aber keine Honorare erhalten haben. Es ist klar, dass in diesem Rahmen auch viele überarbeitungsbedürftige Texte von Hobby-Autoren eintreffen, die bisher kaum veröffentlicht haben. Sofern die in den Geschichten verarbeiteten Ideen aber überzeugend sind, habe ich keine Schwierigkeiten damit, diese Stories auszuwählen und an ihnen im möglichst engen Austausch mit den Autoren zu feilen. 

Steinberg: Im Bonner Kid-Verlag erschien gerade Deine Dissertation zum Thema Kinder- und Jugend-SF als Sachbuch zu einem kleinen Preis. Mir fiel auf, dass die Textdarstellung deutlich wissenschaftlich blieb, also sehr viele Fußnoten und Anmerkungen. Warum hast Du den Stoff nicht allgemeinverständlicher aufbereitet?

Figatowski: Ich würde behaupten, dass man die Arbeit gut lesen kann, auch wenn man nicht jede Anmerkung mitliest. Ich stimme Dir aber darin zu, dass das eine oder andere Kapitel noch leserfreundlicher ausgefallen wäre, wenn es sich um einen Essay und nicht um eine universitäre Arbeit handeln würde. 

Steinberg: Besonders interessant fand ich Deine Auseinandersetzung mit den Motiven und der Geschichte der SF für Kinder und Jugendliche. Warum ist das Thema für Dich so spannend? 

Figatowski: Interessant ist für mich an der Auseinandersetzung mit den Motiven der Science Fiction, wie die Autoren ihre Texte (und die Verlage die Bücher) gestalten, damit Kinder und Jugendliche als Adressaten angesprochen werden. Wird eine kindliche bzw. jugendliche Hauptfigur verwendet? Gibt es beim Schreiben für junge Leser bestimmte Tabus? Gelten sie auch im Science-Fiction-Genre?
Es ist nicht damit getan, dass Autoren lediglich typische SF-Motive übernehmen, wenn sie für Kinder und Jugendliche schreiben. Am Beispiel der Weltraumreise als einem scheinbar etwas ausgeleiertem SF-Motiv mache ich deutlich, wie einfallsreich sich Autoren mit dem Problem auseinandersetzen, wie sich die Anwesenheit von Kindern an Bord überhaupt erklären lässt. 

Steinberg: Warum könnte es gut sein, dass Kinder und Jugendliche SF lesen? 

Figatowski: Gerade Jungen macht die SF-Lektüre Spaß, dieser Standpunkt wird seit geraumer Zeit in der Literaturdidaktik stark gemacht. Dies lässt sich unter anderem mit Blick auf den heutigen Konsumwarenmarkt für Heranwachsende begründen. Denn es sind nicht nur SF-Filme und -Serien, die angeschaut werden: Für Kinder, die mit Star-Wars-Raumschiffen von Lego, WALL-E-Mäppchen oder magischen Funkschlüsseln für das elterliche Auto aufwachsen, liegt auch die Lektüre von SF-Büchern nahe, da ihnen viele genreprägenden Motive und Figuren von klein auf vertraut sind.
Neben dem lesedidaktischen Aspekt ist der ebenso wichtige inhaltliche Aspekt der SF-Lektüre zu begrüßen: Erstaunlich viele SF-Romane für junge Leser thematisieren die Veränderung heutiger Kindheit und Jugend im Zeichen der Wissenschaft, und das auf durchaus spannende Weise. Gerade hier – man denke an die Herausforderungen durch die Gen-Technologie oder die Atom-Krise – eröffnen sich schon dem jungen Leser interessante Einblicke in seine eigene Lebenswelt.
Steinberg: Ist die gegenwärtige Konkurrenz der Fantasy-Bücher nicht überwältigend? Warum scheinen die klassischen Fantasy-Motive die Kinder und Jugendlichen mehr anzusprechen, als jene Themen der SF? Oder ist das gar nicht so? 

Figatowski: Science Fiction für Kinder und Jugendliche wurde in den letzten Jahren immer populärer. Ein gutes Beispiel ist die Entscheidung des traditionsreichen Fischer Verlags – dies wurde von einigen Literaturkritikern sehr positiv aufgenommen – eine Serie von Superman-Bücher explizit für Jungs im Grundschulalter aufzulegen. Diese Bücher werden von Heranwachsenden gelesen und faszinieren sie: Ich sehe das tagtäglich in der Schule, wenn Schüler ihre phantastischen Schmöker in die Schule mitbringen oder etwa an Karneval in Lord-Sith-Verkleidung über den Schulhof rennen.
Vollzieht sich diese Entwicklung dem Fantasy-Boom zum Trotz? Ich habe hier starke Zweifel, es ist fraglich, ob beide Genres tatsächlich in Konkurrenz stehen oder sich nicht vielmehr verstärken. Allem Anschein nach haben gerade junge Leser keinerlei Hemmungen, zwischen dem Harry-Potter-Kosmos und den dystopischen Abenteuerwelten einer Suzanne Collins zu changieren. 

Steinberg: In der Textauswahl deiner Dissertation dominieren »pädagogisch wertvolle« Bücher. Ist das der universitären Erwartung geschuldet? 

Figatowski: Mein primäres Ziel war es nicht, möglichst spannende und unterhaltsame Kinder- und Jugendbücher auszuwählen, um diese erwachsenen Lesern (Eltern) zu empfehlen. Stattdessen zielt mein Erkenntnisinteresse auf Kinder- und Jugendbücher ab, in denen die Darstellung moderner Kindheit und Jugend breiten Raum einnimmt. Dass sich darunter Romane finden, die beispielsweise von der Literaturkritik mit Preisen ausgezeichnet wurden - wie etwa Charlotte Kerners Blueprint-Blaupause – spielte für die Auswahl keinerlei Rolle. 

Steinberg: Mich selbst hätten als Kind nur zwei der näher untersuchten Bücher zum Lesen gereizt. Was wollen Kinder und Jugendliche lesen? Gibt es dazu überhaupt belastbare Zahlen? Läuft nicht alles wieder auf die Frage nach U und E hinaus? 

Figatowski: Ich denke, dass sich die Beliebtheit eines Romans bei Kindern und ein von Erwachsenen herangetragener pädagogischer Anspruch nicht ausschließen müssen. Immer wieder wurden in den letzten Jahren SF-Romane mit Kinder- und Jugendliteraturpreisen ausgezeichnet. Aktuelle empirische Untersuchungen über die Anzahl von SF-Lesern unter Kindern und Jugendlichen sind mir nicht bekannt, meine Vermutung ist aber, dass die Beliebtheit ungebremst ist. So hat etwa die Jugendjury zum Deutschen Jugendliteraturpreis allein in den letzten beiden Jahren mit den Tribute von Panem und Ursula Poznanskis Erebos zwei SF-Romane ausgezeichnet hat. 

Steinberg: Müsste man das Thema nicht auch um Comics und Hörspiele, eigentlich sogar Filme erweitern? 

Figatowski: Selbstverständlich könnte man das. Dies hätte allerdings den Rahmen der Arbeit weit überschritten. 

Steinberg: Im Fantasyguide haben die Seiten dauerhaft die höchsten Zugriffszahlen, die sich mit Büchern beschäftigen, die auch Schullektüre sind. Wo nie ein Kind gewesen ist … könnte für Schüler auch recht praktisch werden. Oder hast Du mehr die Lehrer im Visier? 

Figatowski: Die Arbeit könnte in der Tat Lehrer ansprechen, die nach Argumenten für den Einsatz von Science-Fiction-Büchern in der Schule suchen. Bedenkt man die altersübergreifende Beliebtheit vieler SF-Jugendbücher im Sinne von All-Ages-Literatur, ist die Arbeit aber auch für jeden anderen erwachsenen Leser interessant. 

Steinberg: Kannst Du selbst Deine wissenschaftliche Arbeit im Unterricht verwenden? Was halten Schüler und Kollegen davon? 

Figatowski: Mittelbar hoffe ich schon, von meiner Arbeit zu profitieren und noch stärker phantastische Texte im Unterricht einzusetzen, um auch eher leseferne Schüler anzusprechen. Es geht in der Schule aber nicht nur ums Lesen, die Beschäftigung mit phantastischen Texten gibt auch Impulse zum kreativen Schreiben. Ich habe bereits einmal mit Erfolg Sechsklässler einen Romanauszug von Andreas Eschbach weiterschreiben lassen. Dabei sind tolle und phantasievolle Geschichten herausgekommen. 

Steinberg: Deine Essays und Artikel finden sich in phantastisch! oder dem Heyne-Jahrbuch. Der Leserkreis ist begrenzt und Du beackerst dort meist gut bestellten Boden. Wie aber sieht es mit dem Feuilleton aus, das die SF ja eher scheut? 

Figatowski: Ich würde zumindest im Hinblick auf den Filmsektor widersprechen. Besprechungen und Artikel über SF-Filme gibt es zuhauf. Auch hinsichtlich von SF-Romanen ist das Feuilleton durchaus offener und experimentierfreudiger geworden. Dies gilt im Übrigen auch für den Comic-Bereich. 

Steinberg: Hast Du selbst Ambitionen SF oder Phantastik zu schreiben? 

Figatowski: Eher nicht, dazu macht mir im Moment das Lektorieren und die kritische Auseinandersetzung mit fremden Texte zu viel Spaß. 

Steinberg: Was kann man von Dir in naher Zukunft noch erwarten? 

Figatowski: Im Oktober erschient im Mercator-Verlag die nächste von mir herausgegebene Regionalanthologie mit dem Titel Nebel über der Niers. Diesmal geht es um die vermeintlich so friedliche Niederrheinregion, die in 15 phantastischen Geschichten erkundet wird. Unter den Beiträgern finden sich unter anderem Karla und Jürgen Weigand, Susanne Haberland und Dieter Bohn.
Sekundärliterarisch plane ich einen Sammelband mit Artikeln über Robert A. Heinlein, der im P.Machinery-Verlag erscheinen soll. 

Steinberg: Vielen Dank für das Interview!



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Ralf Steinberg  11.11.2012blindgif zurück zur Startseite Diesen Artikel lesen Diesen Artikel ausdrucken Möchten Sie den Artikel ''Science-Fiction für junge Leser'' weiterempfehlen?
 
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