Auf der Frankfurter Buchmesse stellte unser Redakteur Peer Zickgraf am 11. Oktober 2012 den diesjährigen Messetitel des Jonas Verlags, „Völkerschau und Totentanz“, vor. Zahlreiche Vorarbeiten zum Buch veröffentlichte Zickgraf in Form von Artikeln und Interviews bereits auf Einseitig.info.
uf der Frankfurter Buchmesse stellte unser Redakteur Peer Zickgraf am 11. Oktober 2012 den diesjährigen Messetitel des Jonas Verlags, „Völkerschau und Totentanz“, vor. Zahlreiche Vorarbeiten zum Buch veröffentlichte Zickgraf in Form von Artikeln und Interviews bereits auf Einseitig.info.
Das Buch ist eine Reise in Zwischenreiche. Es erkundet Zoologische Gärten, in denen Menschen aus Kolonialgebieten bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts zusammen mit exotischen Tieren ausgestellt wurden. Doch die Faszination und die Zurschaustellung des „Fremden“, „Anderen“, die in den Völkerschauen exotisch verklärend inszeniert wird, ist nur die eine Seite. In den deutschen Kolonien erfährt das „Fremde“ in seiner konkreten körperlichen Realität durch Tötung, Ausbeutung, Kolonisierung und kulturelle Assimilation eine Behandlung, die auf sein Verschwinden abzielt. Insbesondere wurden Mediziner in dem kolonialen rechtsfreien Raum aktiv, indem sie großangelegte medizinische Versuche an der Bevölkerung durchführten.
Viele dieser ehemaligen aufstrebenden Tropenärzte fanden später im Nationalsozialismus ein Umfeld, in dem sie ihre Menschenversuche, nun in den deutschen Konzentrationslagern, fortführen konnten. Nach 1989, in einem negativ aufgeladenen kulturellen und politischen Klima, in dem wieder vermehrt Nationalismus und Fremdenhass verbreitet sind, betrat Gunter von Hagens mit seinen „Körperwelten“ plötzlich die Bühne. Mit seinen toten Körpern, die er gleich Frankenstein erschafft und jeglicher Würde beraubt, feiert er beim staunenden Publikum große Erfolge. Peer Zickgraf geht in seinem Buch den Mechanismen nach, die diesen Umgang mit dem Körper auslösen.
Eine Besonderheit des Buches ist der Abdruck einer Passage aus Jonathan Littels Roman „Die Wohlgesinnten“ sowie die Einbeziehung der Perspektive zweier namhafter Künstler.
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