ch, man hört in letzter Zeit so viel Negatives über die FDP. Es ist gar so schlimm geworden, dass kaum ihr noch ein Wähler seine Stimme geben mag. Es droht uns eine Zeit, da die Grafiken der Politikbarometer ihren Namen nicht mehr führen, eine Zeit, da sich die dann ehemalige und beinahe ewige Regierungspartei ihren Diagrammbalken mit der NPD, den Bibeltreuen Christen, der Tierschutzpartei, der MLPD und anderen esoterischen Sammlungen teilen muss. Aber nicht nur die Wähler kehren dem Liberalismus den Rücken, auch schwinden der FDP die Mitglieder. Wie die Frankfurter Rundschau Ende 2011 berichtete, „sank die Zahl um mehr als 5000 auf 63 416 Mitglieder (Dezember). Das Minus von 7,5 Przent ist der stärkste Rückgang für die Liberalen seit 15 Jahren. Bereits 2010 hatte die Partei 5 Prozent ihrer Beitragszahler verloren.“
Dabei gibt es keinen Grund, die zunehmend ökonomisch, manche behaupten neoliberal, ausgerichtete Partei zu verlassen. Im Gegenteil ist ein Beitritt sogar durchaus empfehlens- und lohnenswert, wie der Autor später noch ausführen wird. Der Mitgliedsbeitrag der Freien Demokratischen Partei liegt seit 2005 konstant – in welcher Branche ist eine solche Preisstabilität noch zu finden? – je nach Einkommen des Parteigängers zwischen monatlichen 8 und 24 Euro, wie dem Aufnahmeantrag zu entnehmen ist. Rentnern und „Fällen besonderer finanzieller Härte“ dürfte zudem eine Ermäßigung winken und obwohl politische Gegner immer wieder die Gemeinnützigkeit bestreiten, muss an dieser Stelle nicht gesondert auf die steuerliche Absetzbarkeit der Beiträge hingewiesen werden.
Das Motiv für eine Parteimitgliedschaft des Einzelnen ist in der Regel viel weniger politischer Natur. Manchmal wollte das junge Neumitglied nur einem verehrten Mädchen näher sein, manchmal geht es einfach nur ums Feiern, ums Saufen, um das Knüpfen von Kontakten zu Menschen und später auch zu Lobbyisten, man netzwerkelt, man darf Pöstchen und Posten anstreben und ergattern, bei geschickt umgesetztem Ehrgeiz sogar richtig Karriere bis hin zum Minister oder Präsidenten machen. Man sollte in der Wahl der Partei nur stets den Zeitgeist achten, mal leichter links mal eher rechts anbändeln, dann passt es schon. Wer in der Vergangenheit eher unschlüssig war, wählte für sich die selbsternannte Mitte der Liberalität und die für diese Position zuständige Partei übernahm das Bändeln. Sie schwenkte stets sicher auf die Seite des Erfolgs: Mal sozialliberal, mal marktradikal, mal liberal-konservativ. All das interessiert in der Generation der Entpolitisierten nicht mehr. Politik oder gar ein politisches Programm ist nicht mehr wichtig, weder in einer Partei, noch in der Gesellschaft. Warum also sollte der Mensch sein nicht vorhandenes Engagement noch mit einer Parteizugehörigkeit belasten? Um es kurz zu machen: Weil es Vorteile bringt!
Der zur Hälfte FDP-eigene liberal Verlag unterhält mit dem „Netzwerk mit Nutzwert“ ein Portal, das all jenen zu empfehlen ist, die sich bislang nicht mit einer FDP-Mitgliedschaft anfreunden können. Schließlich werden den Inhabern des richtigen Parteibuchs Sonderkonditionen gewährt, die den oben angesprochenen monatlichen Beitrag schnell vergessen lassen. Zu nennen sind hier einige der Vergünstigungen:
Ob die FDP noch Sitze im Bundestag oder Bundesrat besitzt, ob sie noch Teil der Bundesregierung ist, ist für eine Reise in die Hauptstadt verhältnismäßig uninteressant, denn Berlin ist immer eine Reise wert. Das Adina Aparthotel „bietet allen FDP-Mitgliedern günstige Raten für Studios.“ Wer die Fahrt nach Berlin ungern mit öffentlichen Verkehrsmitteln hinter sich bringt, kann die SIXT-Card zu „Rabatt-Raten“ beantragen, denn es gibt „attraktive Sonderkonditionen für Mitglieder der FDP“.
„Mehr Netto vom Brutto!“, damit startete die FDP einst ihren erfolgreichen Wahlkampf, auf den viele vermutlich mittelfristig nicht mehr hereinfallen werden. Für Liberale war und ist dieser Claim kein hohler Spruch, sondern Wirklichkeit. „Diese Forderung der FDP unterstützt die Vermögensberaterin und Dipl. Kffr. Roma Walda in Zusammenarbeit mit der Deutschen Vermögensberatung AG jeden Tag im Beratungsgespräch mit ihren Kunden.“ „Früher schon an Später denken!“ steht oben drüber.
Wer sein Vermögen gesichert und ausgebaut sieht, sein Geld arbeiten lässt, macht gerne und entspannt Urlaub. Die Reisegesellschaft berge&meer hilft dabei und bietet FDPlern Sonderkonditionen. Das Golfspiel bald nur noch Nichtmitgliedern als Luxussport bekannt, denn „Golf muss nicht teuer sein. Für FDP-Mitglieder haben wir einen Kooperationsvertrag mit dem Golf & Country Club Fleesensee abgeschlossen. Zukünftig haben alle FDP-Mitglieder die Möglichkeit, zu besonders günstigen Konditionen die Mitgliedschaft im Golfclub Fleesensee zu erwerben und richtig Geld zu sparen.“ Politik macht liberal richtig Spaß. Und Sport hält gesund. Das ist wichtig, wir haben schließlich mit Daniel Bahr einen liberalen Gesundheitsminister. Dennoch können auch Liberale einmal erkranken. Da auch diese nur Menschen sind und den weiteren Abbau des Solidarprinzips in der Gesundheitsversorgung fürchten oder einfach nur die Zielrichtung liberaler Privatisierungsstrebens kennen, vielleicht auch nur der Arbeit Daniel Bahrs misstrauen, bietet die DKV (Deutsche Krankenversicherung) „exklusiv für FDP-Mitglieder: Die liberale Alternative zur Gesundheitsreform – privat versichert im Gruppenversicherungsvertrag mit der DKV.“
Was hindert uns also noch daran, den Mitgliedsantrag zu stellen? Urlaub machen wir alle gerne, ein gewisses Vermögen bietet Sicherheit und eine gute Krankenversicherung beruhigt ungemein. Und da die meisten Mitmenschen des Essens und Trinkens nicht abgeneigt sind, wehren wir uns nicht, wenn uns ein liberaler Wirt großzügig einen Deckel macht. Wir tun der böse geschrumpften FDP Unrecht, wenn wir sie verteufeln. Sie hat durchaus eine Daseinsberechtigung. Opportunismus und Egoismus sind längst keine Schande, sind systemimmanent. Ohne Vorteilsnahme kann der Kapitalismus nicht bestehen. Daher sollten der FDP nicht nur beistehen, sondern auch ganz schnell beitreten.
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