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Organizing America

Ein Geburtstagsgruß für Michelle Obama - 2. Teil

Von Farah Lenser

o
rganizing America - so das Motto der Webseite von Barack Obama. Als Community Organizer hatte er angefangen, Menschen zu ermutigen, sich gegen unterdrückende Strukturen und Ungerechtigkeiten zu wehren. So erlebte ihn Michelle in einer kleinen Kirche in Chicago und war mehr als beeindruckt.

„Als wir dort ankamen,“ erzählt sie bei einem Auftritt im Internet, „legte er sein Jackett ab, lockerte seine Krawatte, krempelte seine Hemdsärmel hoch und regte eine der eloquentesten Debatten darüber an, wie die Welt ist und wie sie sein sollte und wie „Community Organizing“ dabei helfen kann zu versuchen, diese Kluft zu verringern. Er verband sich mit jeder einzelnen Person in diesem Raum und eine Menge „Amen“ waren zu hören. Ich dachte bei mir: dieser Mann ist wirklich  besonders!“

Michelle ist beeindruckt von dem Engagement dieses Mannes, der es trotz all seiner Möglichkeiten, als exzellenter Harvard Absolvent eine glänzende Karriere zu machen und viel Geld zu verdienen, vorzieht, seine Intelligenz und sein Wissen dafür einzusetzen, dass alleinerziehende Mütter in den Slums von Chicago für ihre Rechte und die Chancen ihrer Kinder eintreten.

Ein echtes South Side Girl

Michelle selbst ist ein echtes „South Side Girl“, wie sie immer wieder in Interviews betont, ihr wurde es nicht in die Wiege gelegt, eines Tages die „First Lady“ der USA zu werden. Ganz im Gegenteil, immer wieder gab es Leute, betont sie, die sie entmutigt hätten, wenn sie den nächsten Schritt ihrer Träume verwirklichen wollte. Leute, die behaupteten sie zu lieben, die sich aber in Wirklichkeit nicht für sie interessierten.

Unterstützt wurde sie jedoch von ihren Eltern, die sich krumm legten, um ihr und ihrem älteren Bruder Craig eine ordentliche Schulausbildung und den Besuch der Universität zu ermöglichen. Beide Kinder erwiesen sich als außergewöhnlich intelligent und übersprangen sogar eine Schulkasse.

Michelle war gerade ein paar Monate alt, als der „Civil Rights Act“ 1964 in Kraft trat, ein Gesetz, das die Rassentrennung in öffentlichen Einrichtungen, wie auch die Diskriminierung bei der Zuweisung von Sozialwohnungen verbot. Dieses und noch folgende Gesetze erleichterten das Leben der schwarzen Bevölkerung, wenn es auch immer wieder zu Rückschlägen kam. Doch ihre Eltern, Frazier und Marian, konnten daraufhin mit den Kindern in eine bessere Wohngegend ziehen und beide Geschwister in eine gute Schule schicken. Während Craig eine katholische Schule, die Mt. Carmel High School besuchte, die einige hervorragende Basketballspieler hervorbrachte, Craig war einer davon, machte sich  Michelle jeden Morgen auf den weiten Weg in eine sogenannte Magnet-Highschool. Das war eine öffentliche Spezialschule mit einer Sonderausstattung, die die Schüler erst nach einem Eingangstest besuchen durften. Diese Schulen förderten bewusst die kulturelle Vielfalt, nachdem es 1963 zu heftigen Protesten gegen die Rassentrennung in Schulen gekommen war. Jetzt sollten laut Gesetz begabte schwarze Schüler gefördert und zusammen mit weißen und auch latino-stämmigen Schülern unterrichtet werden. Michelle Obama trat 1975 in die „Whitney Young Highschool“ ein, die gerade kurz zuvor gegründet worden war und nach dem Afroamerikaner Whitney Moore Young junior benannt worden war, der für die Gleichberechtigung der Schwarzen in Schule und am Arbeitsplatz gekämpft hatte.

Eine Insel des liberalen Geistes

„Es herrschte ein großartiger Geist in dieser Schule,“ erinnerte sich ein ehemaliger Schüler: „Es war etwas Neues, und es war phantastisch.“ Es herrschten harmonische Verhältnisse, an diesem Ort herrschte der liberale Geist der siebziger Jahre, doch Schüler erlebten dafür eine umso größere Diskrepanz, wenn sie nachmittags in ihre Wohnviertel zurückkehrten, wo schwarze und weiße Jugendliche weiterhin in ihren separaten Welten lebten. Diesen kulturellen Schock erlebte Michelle auch später auf der Elite Universität Princeton, wo sie sich auch deshalb beworben hatte, weil ihr Bruder Craig dort bereits seit einem Jahr immatrikuliert war. Als sie dort 1981 ihr Studium der Soziologie begann, waren gerade einmal 10% der Studenten Afroamerikaner. In ihrer Abschlussarbeit schreibt sie: „Durch meine Erfahrungen in Princeton habe ich mehr als je zuvor begriffen, dass ich schwarz bin. Noch etwas anderes konnte ich in Princeton feststellen: Egal, wie liberal und aufgeschlossen einige meiner weißen Professoren und Kommilitonen versuchten, sich mir gegenüber zu verhalten, fühlte ich mich doch manchmal als Besucherin auf dem Campus, die das Gefühl hat, nicht hierher zu gehören. Für die Weißen hier in Princeton bin ich grundsätzlich zuerst die Schwarze und erst in zweiter Linie die Studentin.“

Michelle engagierte sich in dem 1971 eingeweihten Dritte-Welt-Zentrum, das den farbigen Studenten, hauptsächlich den Schwarzen und den Latinos, eine Anlaufstelle auf dem Campus bot, da die üblichen elitären Clubs, in denen die Studenten der Princeton Universität sich trafen, schwarzen Studenten verschlossen blieben. Das Dritte-Welt-Zentrum organisierte Seminare und lud schwarze Aktivisten wie Rosa Parks ein, die 1955 in Montgomery, Alabama mit ihrer Weigerung ihren Sitzplatz im Bus für einen Weißen zu räumen, die schwarze Bürgerrechtsbewegung ausgelöst hatte. Auch wenn Michelle in ihrer Abschlussarbeit, die Diskriminierung und fehlende Unterstützung der schwarzen Studenten an der Princeton Universität beklagte, so kam sie doch aufgrund ihrer gesammelten Daten zu dem Ergebnis, dass Afroamerikaner von einem Abschluss in Princeton profitiert hätten. 71% der Befragten gaben an, dass es ihnen gelungen sei, eine berufliche Karriere einzuschlagen, die einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufstieg gegenüber ihren Eltern bedeutete.

Karriere als Juristin

Letzteres galt auch für Michelle, als sie die Princeton University mit Auszeichnung abschloss, um 1985 an der Harvard Law School Jura zu studieren. Auch dort fand sie Gleichgesinnte, die sich für soziale Gerechtigkeit einsetzten und beriet in einem Rechtshilfebüro neben ihrem Studium arme Menschen mit Rechtsproblemen. Nach Abschluss ihres Studium entschied sie sich für eine Karriere in einer großen privaten Anwaltskanzlei, die Harvard Absolventen mit viel Geld umwarben. Michelle nahm das Angebot der Privatkanzlei Sidley Austin in Chicago an und kehrte in ihre Heimatstadt zurück. Ihre Eltern waren sehr stolz auf sie: Ihre Mutter Marian, die, solange die Kinder klein waren als Hausfrau zu Hause blieb, hatte später wieder angefangen, halbtags als Sekretärin zu arbeiten, um zusätzliches Geld für die Ausbildung ihrer Kinder zu verdienen. „Mein Mann und ich“, erzählt sie, „ haben die Kinder oft geneckt. 'Wer einmal weggeht, um ein College zu besuchen', sagten wir ihnen, 'der kommt nur sehr selten wieder in seine ursprüngliche Gemeinschaft zurück.“ So war ihre Freude groß, als Michelle wieder nach Hause zurückkehrte. Ihre Mutter hatte jedoch den Eindruck, dass die Arbeit in einer Privatkanzlei nicht das Richtige für Michelle wäre, und ihre Eltern erinnerten sie immer wieder daran, dass ihr Wissen und ihr Status ein Privileg sei, das sie für das Wohl der Gemeinschaft einsetzen sollte.

Michelle hatte ein besonders enges Verhältnis zu ihrem Vater Frasier, der - neben seinem regulären Job - für die Gemeinde als ehrenamtlicher „Precinct Captain“, als Wahlkreisbeauftragter der Demokratischen Partei arbeitete. Als solcher pflegte er den Kontakt mit den Bürgern seiner Gemeinde und war außerordentlich beliebt bei den Menschen. „Die Leute kamen zu ihm, um sich Rat zu holen“, erzählt sein Sohn Craig, „er hatte ein starkes Mitgefühl für die Menschen und konnte sie aufrichten. Wenn sie ihn dann wieder verließen, ging es ihnen immer besser als zuvor. Ich glaube, dass Michelle dieses besondere Talent unseres Vaters geerbt hat.“ Auch Barack Obama beschreibt Frazier Robinson als einen sehr freundlichen Menschen mit einem großem Herzen, der anderen Menschen mit viel Respekt begegnete, eine Eigenschaft, die er bei Michelle wiederfinde.

Als er Michelle 1988 kennenlernte, arbeitete sie noch in der Kanzlei Sidley Austin, wo Barack notgedrungen einen Sommerjob annahm, da ihn die Schulden seines Jura Studiums drückten. „Ich steckte damals in einer schwierigen Übergangsperiode,“ erzählt er in seinem Buch „Hoffnung wagen“. Nach drei Jahren als „Community Organizer“ hatte ich mich als Jurastudent eingeschrieben, und obwohl mir das Studium gefiel, hatte ich immer noch Zweifel an meiner Entscheidung. Ich hatte Angst, dass ich damit die Ideale meiner Jugend verraten und mich zu sehr mit den harten Realitäten von Macht und Geld arrangieren könnte – mit der Welt, wie sie war und nicht mit der Welt, wie sie sein sollte.“ Er kaufte sich zum ersten Mal drei Anzüge und ein neues Paar Schuhe, die ihn die nächsten drei Monate höllisch quälten, da sie eine halbe Nummer zu klein waren. In der Kanzlei wurde er dann in das Büro der jungen Anwältin Michelle Robinson geschickt, die ihm als Beraterin zugeteilt war. „Ich kann mich nicht mehr genau an die Einzelheiten dieses ersten Gesprächs mit Michelle erinnern. Ich weiß noch, dass sie groß war (fast meine Größe, wenn sie Schuhe mit Absätzen trug) und hübsch, mit einer freundlichen, professionellen Art, die gut zu ihrem maßgeschneiderten Kostüm und ihrer maßgeschneiderten Bluse passte.“

In späteren Gesprächen erfährt er, dass sie in der South Side aufgewachsen ist und zwar nicht weit von der Gegend, wo er vor fünf Jahren als „Community Organizer“ angefangen hatte zu arbeiten. Er bemerkt, dass sie keinen Ring am Finger trägt und versucht, sich auch privat mit ihr zu verabreden, was sie jedoch ablehnt. „Sie war auf der Überholspur und hatte, wie sie sagte, keine Zeit für Zerstreuung und schon gar nicht für Männer. Doch sie lachte viel, ein helles, lockeres Lachen, und ich merkte, dass sie es nicht allzu eilig hatte, wieder zurück ins Büro zu kommen. Außerdem war da noch etwas, ein seltsamer Schimmer in ihren runden, dunklen Augen, immer wenn ich sie ansah, ein winziger Hauch von Unsicherheit, als ob sie tief in ihrem Innern wüsste, wie zerbrechlich die Dinge in Wirklichkeit waren und dass sich all ihre Pläne leicht in Luft auflösen könnten, wenn sie sich nur einen Moment gehen ließ. Dieser Hauch von Verwundbarkeit berührte mich irgendwie. Ich wollte diesen Teil von ihr kennenlernen.“

Eine schwarze Bilderbuchfamilie

Sie werden für die nächsten Wochen doch noch ein unzertrennliches Paar und er lernt auch ihre Familie kennen, die ihm wie eine Bilderbuchfamilie erscheint: „Da war Frazier, der nette, gutmütige Vater, der keinen Arbeitstag versäumte und immer zuschaute, wenn sein Sohn ein Baseballspiel hatte. Da war Marian, die hübsche, vernünftige Mutter, die Geburtstagskuchen buk, Ordnung im Haus hielt und ehrenamtlich in der Schule gearbeitet hatte, um dafür zu sorgen, dass die Kinder sich gut benahmen und die Lehrer taten, was sie sollten. Da war Craig, der Baseballstar, groß, freundlich, höflich und witzig, der als Investmentbanker arbeitete, aber hoffte eines Tages Trainer zu werden. Und da waren haufenweise Onkel und Tanten und Vettern und Basen, die vorbeikamen und am Küchentisch saßen und aßen, bis sie beinahe platzten, und aufregende Geschichten erzählten und Großvaters alte Jazzplatten anhörten und bis tief in die Nacht hinein lachten.“

Für Barack, der seinen Vater kaum gekannt hatte und den größten Teil seines Lebens umgezogen war, dessen Blutsverwandte in alle Wind verstreut sind, weckte dieses Familienleben die Sehnsucht nach Stabilität und Geborgenheit. Und es beeindruckte ihn um so mehr, da er wusste, dass es neben diesem idyllischen Familienleben auch die üblichen Rassenprobleme mit den begrenzten Berufschancen existiert hatten, von denen Michelles Eltern in den 50er und 60er Jahren ebenso betroffen waren, wie von all den anderen Problemen in der South Side Chicagos, die er aus seiner Zeit als „Community Organizer“ so gut kannte. Zudem war die Familie Robinson noch von einer besonderen Tragödie betroffen. Schon mit dreißig Jahren war Michelles Vater an Multipler Sklerose erkrankt und in den nächsten zwei Jahrzehnten hatte sich sein Zustand immer weiter verschlimmert. Trotzdem war er in all den Jahren seinen beruflichen und ehrenamtlichen Verpflichtungen nachgekommen, obwohl er sich nur noch mühsam an zwei Stöcken vorwärts bewegen konnte. Sechs Monate nachdem Barack Michelle und ihre Familie kennengelernt hatte, starb Frazier Robinson an Komplikationen nach einer Nierenoperation. Barack fliegt zur Beerdigung zurück nach Chicago und steht an seinem Grab, neben ihm Michelle, die ihren Kopf an seine Schulter lehnt. „Als der Sarg in die Grube gesenkt wurde, versprach ich Frazier Robinson, dass ich mich um sein Mädchen kümmern würde. Ich erkannte, dass sie und ich auf eine unausgesprochene, tastende Weise bereits zu einer Familie wurden,“ gesteht Barack.

Für Michelle ist der Vater ihr großes Vorbild: „Ich denke jeden Tag an ihn. Ich erinnere mich an sein Mitgefühl, an seine Worte und Ratschläge, daran wie er sein Leben führte und versuche all das jeden einzelnen Tag anzuwenden, wenn ich mich frage, wie ich meine eigenen Kinder aufziehen soll. Ich will, dass seine Erbe durch sie weiterlebt und es wird hoffentlich auch die Art und Weise beeinflussen, wie ich als First Lady agieren werde. Denn sein Mitgefühl und seine Sicht der Welt haben mich inspiriert und zu dem gemacht, was ich bin und was ich für meine Kinder möchte und für mein Land erhoffe.“

Den Rückhalt, den Michelle durch ihre Familie erfahren hat, gab ihr die Kraft, ihren eigenen Weg zu finden und ihn unbeirrbar weiter zu gehen. Deshalb betont sie in ihren Reden immer wieder die Bedeutung eines starken Elternhauses, in dem Eltern sich für ihre Kinder Zeit nehmen können. Unter den heutigen Arbeitsbedingungen in den USA wird es aber immer schwieriger, überhaupt ein Familienleben zu führen und die Kinder auf ihrem schulischen Weg zu unterstützen.  Die Menschen strengen sich an, betont Michelle, sie arbeiten, bis ihre Finger wund sind und erreichen doch niemals das Ziel, denn die Latte werde einfach immer höher gehängt. Sie erinnert daran, dass ihr Vater als einfacher Arbeiter eine vierköpfige Familie ernähren konnte, heute jedoch sei es für ein Elternteil nicht mehr möglich, sich zu entscheiden, bei den Kindern zu Hause zu bleiben. Ein Gehalt reiche heute kaum mehr dazu aus, die Miete zu bezahlen, viele müssten sich sogar neben ihrem regulären Job noch eine zusätzliche Beschäftigung suchen. Ihre Eltern konnten ihren beiden Kinder den Besuch einer Eliteuniversität ermöglichen, heute seien die meisten öffentlichen Schulen in solch einem katastrophalen Zustand, dass sie die Kinder nicht befähige, überhaupt den Besuch  eines College zu erwägen, von den Kosten einmal ganz abgesehen. Selbst sie und Barack hätten erst vor drei Jahren ihre Studienkredite zurückgezahlt und hätten sich erst durch die Vorschüsse auf Baracks Bücher saniert.

Ich kann davon träumen, was ich gerne werden möchte!

Michelle Obama erinnert an das zehnjährige Mädchen, welches  beim Wahlkampf in South Carolina auf sie zukam und fragte: „Wissen Sie eigentlich, welch ein historisches Ereignis es sein wird, wenn Ihr Mann der nächste Präsident der USA wird? Ich sagte: Ja, aber was bedeutet es für Dich?“

„Dass ich davon träumen kann, all das zu werden, was ich gerne sein möchte!“ Und dann fing sie an zu weinen, das hat mir das Herz gebrochen. Denn dieses kleine Mädchen aus South Carolina hatte schon diese Erfahrung gemacht, dass die Latte immer höher gehängt wird. Egal wie sehr sie sich anstrengte, sie konnte sie unmöglich erreichen! Sie weiß genau, sie kann keine Schule besuchen, die es ihr erlauben würde, sich einem Wettbewerb am College zu stellen. Sie weiß aber auch, dass sie um so viel besser ist, als die begrenzten Vorstellungen, die wir von ihr haben. Träume sind so wichtig!

Auch ich war einmal ein kleines Mädchen, das eigentlich heute hier nicht stehen dürfte. „Wir alle kennen dieses Gefühl und den Schmerz, den es verursacht. Wir wissen auch, dass dieser Zweifel und diese Angst, sich wie ein Schleier um unsere Köpfe legt, der auch die nächsten Generationen erstickt.

Wenn ein Mensch wie Barack Obama, der von einer alleinerziehenden Mutter großgezogen wurde, die viele Opfer gebracht hat, damit ihr Sohn eine exzellente Schulausbildung bekommt und die ihm den moralischen Rückhalt gab, der es ihm ermöglichte, Charakter zu entwickeln, wenn ein solcher Mensch Präsident der USA wird, dann wird dieser Schleier der Unmöglichkeit von den Köpfen von Millionen von Kindern weggeweht, denen man gesagt hat: “Warte“ und „Nein“ und „Du kannst nicht“ und „Du bist noch nicht dran“! An jenem Tag werden sie ein anderes Bild von dem bekommen, was diese Land von ihnen erwartet und das betrifft nicht nur die Kinder hier bei uns, sondern die Kinder auf der ganzen Welt. Denn die Welt beobachtet uns – da gibt es Kinder, die immer noch an diesen amerikanischen Traum von der Schönheit und Gerechtigkeit unserer Demokratie glauben. Sie hoffen und beten, dass wir das Richtige tun. Wir haben jetzt die einmalige Chance, Menschen zu zeigen, dass das, was wir wollen, auch geschieht. Das ist mehr als nur möglich, das sind die Träume, welche die Welt verändern und es beginnt jetzt und hier! Wir brauchen euch! Arbeitet, betet, marschiert, kämpft, wir brauchen euch, nicht nur am nächsten Dienstag, sondern auch noch in einem Jahr, in vier Jahren, in acht Jahren. Ihr könnt nie mehr einfach so weitermachen wie bisher. Wir brauchen euch, und wenn ihr alle helft, dann garantiere ich euch, wir werden unglaubliche Dinge bewegen, wir werden dieses Land verändern – und die Welt!

„Barack Obama ist bereit“, schließt sie ihren leidenschaftlichen Aufruf, „aber er wird von euch verlangen, dass ihr euch verändert. Legt euren Zynismus beiseite! Lasst eure Angst los! All das ist Zeitvergeudung! Ihr müsst euren Platz am Tisch der Demokratie einnehmen! Leute mit Macht und Geld werden glücklich sein, wenn sie eure Plätze einnehmen können, und sie werden nicht eure Interessen wahrnehmen. Einen Wandel zu erreichen, ist mit Anstrengung verbunden, er wird nur dann erreicht, wenn ihr ihn möglich macht! Es kommt darauf an, dass ihr bereit seid!“

„Oft kommen Leute auf mich zu“, sagt Obama, „die Michelle haben sprechen hören oder mit ihr an einem Projekt gearbeitet haben, und sagen: „Sie wissen, dass ich ungeheuer viel von Ihnen halte, Barack, aber Ihre Frau... Wow!“ Ich nicke dann, weil ich weiß, dass sie mich locker schlagen würde, wenn sie je gegen mich um ein öffentliches Amt kandidierte. Zu meinem Glück würde Michelle nie in die Politik gehen. „Ich habe nicht genug Geduld“, sagt sie, wenn sie jemand danach fragt. Und wie immer sagt sie die Wahrheit.“ Doch der Präsident der USA, Barack Obama hat gewiss nicht vergessen, dass er als „Community Organizer“ den Menschen beigebracht hat, die Politik nicht den Politikern zu überlassen.

Die Homepage von Barack Obama steht unter dem Motto: „Organizing for America!“

Larry B. McNeill, der seit Jahrzehnten als „Community Organizer“ arbeitet, definiert das Organizing folgendermaßen: „Organisieren ist das aktive Ausgraben der Geschichte eines Menschen, die gemeinsame Untersuchung der Bedeutung dieser Geschichte und die Gelegenheit für die persönliche und gemeinsame Geschichte einen neuen Schluss zu schreiben.“

Amerika hat für sich als Nation einen neuen Schluss geschrieben, als es Barack Obama zum Präsidenten wählte und der Angst vor dem Fremden eine Absage erteilte und sich für einen Präsidenten und eine First  Lady entschied, die für einen Teil der Geschichte Amerikas stehen, der bisher eher im verborgenen blieb.

 

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