Wer sich weder ein Boda Boda noch ein Matatu leisten kann, geht zu Fuß - angesichts der vielen Verkehrstoten, die jedes Jahr zu beklagen sind, ist das wohl die sicherste Variante, zumindest dort, wo die Straßen von Fußgängerwegen gesäumt sind. Ansonsten gilt das Prinzip Hoffnung oder der allgegenwärtige Glaube an die schützende Hand Gottes.
nter einer Glocke aus Abgasen verstopft der Verkehr wie jeden Morgen die Hauptschlagadern der Stadt. Nur zäh schiebt sich die Blechlawine vorwärts, die vor allem aus Kleinbussen (Matatus) besteht, die mit ständigem Hupen und Schreien auf sich aufmerksam machen. Per Handbewegung wird die Richtung vorgegeben, in die die Fahrt gehen wird, ab und an steigen Menschen aus, neue Passagiere steigen ein. Wer es sich leisten kann, nimmt eines der Motorradtaxis (Boda Bodas), die sich ohne Rücksicht auf das leibliche Wohl des Mitfahrenden durch den Stau pressen. Wer sich weder ein Boda Boda noch ein Matatu leisten kann, geht zu Fuß - angesichts der vielen Verkehrstoten, die jedes Jahr zu beklagen sind, ist das wohl die sicherste Variante, zumindest dort, wo die Straßen von Fußgängerwegen gesäumt sind. Ansonsten gilt das Prinzip Hoffnung oder der allgegenwärtige Glaube an die schützende Hand Gottes.
Bis vor kurzem war die tiefe Religiösität des Landes kein Problem. Uganda war eines der Lieblingskinder der internationalen Entwicklungszusammenarbeit, eine sichere Insel in einer instabilen Region. In manchen Gegenden im Norden gibt es so viele Helfer, dass die Preise inzwischen europäisches Niveau erreicht haben. Dabei wurde großzügig darüber hinweggesehen, dass das Land zunehmend unter der seit 24 Jahren andauernden Präsidentschaft Musevenis ächzt. Dann kam 2009 die geplante Anti-Homosexuality Bill, die Homosexualität in Uganda unter Todesstrafe stellen soll, und der Musterschüler wurde zum Schmuddelkind.
Freikirchen & disease
Robert sitzt hinter seinem Schreibtisch im Büro einer internationalen Entwicklungsorganisation. Seine Stimme wird merklich ernster, wenn er auf Schwule zu sprechen kommt. "It's spreading like a disease", sagt er, und "It's against the will of God". Robert ist jung, Ugander, Mitte Zwanzig, er hat an der Makerere University in Kampala studiert, einst eine der angesehensten Universitäten der Region. Er wirkt nicht wie einer, der anderen den Tod wünscht, doch wenn es um Homosexuelle geht, ist er stur. "You know why there is still nothing growing in Sodom and Gomorrha?", fragt er siegessicher. Und er kennt die Antwort: "Because men had sex with men". Bei soviel Überzeugung fällt es schwer, eine passende Antwort zu finden.
Der religiöse Fundamentalismus ist bereits vor Jahren nach Uganda geschwappt. Großzügig gefördert von ihren großen Schwestern in den USA, sind die christlichen Freikirchen aus dem Stadtbild und der Lebenswelt der Menschen nicht mehr wegzudenken. Pfingstkirchen, Baptisten, New-Borns, Zeugen Jehovas – in manchen Straßen Kampalas ducken sich mehr Kirchen als Wohnhäuser. Von einer Seite schallen christliche Gesänge, von einer anderen Seite sind Hasstiraden eines Predigers zu vernehmen. Hinzu kommt ein Heer christlicher Organisationen, die sich vor Ort für die Menschen, aber auch deren Gottesfürchtigkeit einsetzen. Manchmal scheint es, als ob sich jede Kirchengemeinde aus der amerikanischen Provinz in Uganda engagiert.
Hier zeigt sich die Schattenseite der christlichen Nächstenliebe. Sie ist Antrieb zu helfen, sie kann ein Bindeglied sein, das zwischen verschiedenen Kulturen vermittelt. Sie scheint jedoch nicht ohne missionarischen Eifer auszukommen, der die Radikalität und den Hass in die Köpfe der Menschen treibt.
Schlachtfeld unserer Werte-Konflikte
Die internationale Gemeinschaft hat inzwischen reagiert, die Streichung von Geldern wird angedroht, der vollständige Rückzug der Entwicklungshelfer. Eigentlich kommt die Empörung ein wenig spät, da Homosexualität bereits jetzt mit hohen Gefängnisstrafen geahndet wird. Wahrscheinlich wird das Gesetz am Ende milder ausfallen, "nur" noch drastischere Gefängnisstrafen für die, die ihre Sexualität ausleben.
Es ist eine Doppelmoral, mit der der Westen auftritt. Mehrjährige Gefängnisstrafen werden mit dem Verweis auf kulturelle Begebenheiten toleriert, Todesstrafen werden jedoch im Brustton der Empörung abgelehnt. Es gibt keine Schranken für die religiösen Eiferer aus dem eigenen Land, zugleich werden Programme zur Förderung der Toleranz in Afrika finanziert. Man tritt als moralischer Wächter auf, als jemand, der sich der Hilfe verschrieben hat, zugleich nutzt man Afrika als Schlachtfeld, um die eigenen innergesellschaftlichen Werte-Konflikte auszutragen.
Auch Robert ist irritiert, wenn man darauf verweist, dass in Deutschland gegen die Anti-Homosexuality-Bill protestiert wurde. Man solle doch in der Bibel lesen, sagt er, und überhaupt hätte der Westen ihnen überhaupt keine moralischen Vorhaltungen zu machen. Vielleicht ist die Doppelzüngigkeit der Europäer und Amerikaner der Grund, weshalb viele Ugander gereizt auf Kritik reagieren, vielleicht sind es auch alte Kolonial-Reflexe. Für die Schwulen in Uganda wird das Ergebnis das Gleiche sein.
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