Zur Startseite von www.einseitig.info
blindgif blindgif
 
blackline
Die Niederländer haben Diven, und zwar gleich vier an der Zahl. Spieler, die lieber den Ball behalten und den eigenen Abschluss suchen, als mal zum besser postierten Mitspieler zu passen.
Die Niederländer haben Diven, und zwar gleich vier an der Zahl. Spieler, die lieber den Ball behalten und den eigenen Abschluss suchen, als mal zum besser postierten Mitspieler zu passen.
blackline
 
blackline
Mehr zum Topic 
Fußball-WM 2010 
blackline
 
blackline
Archiv 
zum kompletten Archiv Hier finden Sie alle Artikel
oder nur die
zum Archiv der Autorin/des Autors  'Ralf Augsburg'  der Autorin/des Autors Ralf Augsburg
zum Archiv der Rubrik 'Vorstopper'  der Rubrik Vorstopper
blackline
 
blackline
Suche 

     
blackline
 
blackline
RSS abonnieren
Informieren Sie sich schnell und komfortabel über neue Artikel bei einseitig.info.

RSS-Feed Neue Artikel als RSS-Feed

Zusätzliche Informationen und weitere RSS Formate finden Sie hier.

blackline
rubriktitel



Ein Rullit hat 90 Sekunden - Folge 23

Angst in Grenzen

Von Ralf Augsburg

f
olge 23 vom 7.7.2010

Einseitig: Der erste Finalteilnehmer ist gefunden, es sind wie von Dir erwartet die Niederlande. Wie sehr müssen Deutsche oder Spanier diesen Gegner fürchten?

Rullit: Gemessen an der gestrigen, wieder sehr gemischten Leistung sollte sich die Angst in Grenzen halten. Oranje hat erneut einige Schwäche offenbart, die wir während des Turniers schon häufig beobachten konnten. Hauptsächlich fehlte wieder die Kaltschnäuzigkeit im Abschluss. Und bei den Toren war ihnen wie im Viertelfinale gegen Brasilien wieder das Glück hold: Das 2:1 durch Wesley Sneijder hätte nicht zählen dürfen. Es war eine klare Fehlentscheidung des Schiedsrichters Ravshan Irmatov, Robin van Persies Abseits als passiv zu bewerten und das Spiel laufen zu lassen. Das muss ich umso mehr betonen, weil der selbe Schiedsrichterassistent in der ersten Hälfte diese Regel in einigen Situationen sehr restriktiv zu Ungunsten der Uruguayer bewertet hatte. Das Gespann ist da seiner Linie nicht treu geblieben.

Einseitig: Die Niederländer haben nach Spielschluss sehr offen und freimütig eingeräumt, dass sie ihre Leistung selbst als nicht besonders toll empfunden haben. Wo hat es denn besonders gehakt?

Rullit: Zwar haben die Niederlande die Favoritenrolle angenommen und das Spiel bestimmt, aber sie waren einfach zu ungefährlich, gerade die erste Halbzeit war komplett harmlos. Man wird sich im Finale nicht allein auf Sonntagsschüsse wie den unglaublichen und haltbaren 37-Meter-Hammer von Giovanni van Bronckhorst verlassen können.
Und hinten stellten die bravourös kämpfenden Uruguayer die Niederländer vor manche Probleme. Selbst mit hohen Bällen haben sie die Abwehr ins Wanken gebracht. Leider fehlten den Uruguayern bis auf die dramatische Nachspielzeit die letzte Konzentration und der Mut. Aber alles in allem haben die Südamerikaner die Sperre von Luis Suarez sehr gut kompensieren können, und wer weiß, wie das Spiel gelaufen wäre, wenn er hätte auflaufen können. Oranje wackelte auch so schon bedenklich. Und aus dem Mittelfeld der Holländer kam wenig, die Geistesblitze ließen sich wie in sämtlichen Spielen an einer Hand abzählen. Alles in allem wenig weltmeisterlich.

Einseitig: Offenbar hat Bert van Marwijk das Elend selbst erkannt, denn er brachte ab der Halbzeit mit Rafael van der Vaart für Demy de Zeeuw einen offensiveren Mittelfeldakteur. Besserte sich die Vorstellung unserer Nachbarn?

Rullit: Nein, es machte nur ein weiteres Problem dieses Teams offenkundig: Die Niederländer haben Diven, und zwar gleich vier an der Zahl. Spieler, die lieber den Ball behalten und den eigenen Abschluss suchen, als mal zum besser postierten Mitspieler zu passen. Ich hatte das Gefühl, dass da einer dem anderen sein Erfolgserlebnis nicht übermäßig gönnt. Van der Vaart gehört auch zu dieser Sorte Spieler und hat daher auch die ein oder andere falsche Entscheidung getroffen. Seine Szenen blieben wirkungslos. Den Unterschied hat dann wie so oft Arjen Robben gemacht.

Einseitig: Merkte man den Uruguayern an, dass ihnen noch vom Viertelfinale gegen Ghana mehr als 90 Minuten in den Knochen steckten?

Rullit: Ich hatte erwartet, dass sich da ein deutlicherer Unterschied auf dem Feld zeigen würde. Sie waren streckenweise auf Augenhöhe mit den Europäern. Hier kam die Anti-Favoriten-Bürde zum Tragen: Während Teams wie Argentinien und Spanien sich mit ihrer Rolle als Favoriten in manchen Begegnungen sehr schwer getan haben, hat die Außenseiterrolle die Uruguayer offensichtlich beflügelt. Sie mussten nicht das Spiel machen, konnten dagegen halten – und das haben sie überraschend stark geschafft, zumal wenn man bedenkt, dass neben Suarez auch noch Kapitän Diego Lugano fehlte. Solche Ausfälle muss man erstmal kompensieren, und das ist ihnen gelungen.
Letztlich ist es aber ein gerechtes Ende ihrer historischen Ambition, denn die Uruguayer haben ja nur durch eine grobe Unsportlichkeit überhaupt erst dieses Halbfinale erreicht. Ein Finale wäre da des Guten zu viel gewesen.

Einseitig: Beide Teams – die Uruguayer seit dem hässlichen Auftritt im Viertelfinale 1966 gegen Deutschland, die Niederländer ganz frisch durch diese WM – haben ein Rauhbein-Image. Blieb das Spiel fair?

Rullit: Am Schluss drohte die nervliche Anspannung die Uruguayer in eine Rudelbildung a la Argentinien 2006 zu münden. Das ist glücklicherweise nicht geschehen. Das Spiel selbst war überwiegend fair. Mark van Bommel wäre vielleicht ein Kandidat für Gelb-Rot gewesen. Aber das ist er ja eigentlich immer.

Einseitig: Was würdest Du als der Trainer der gegnerischen Mannschaft im Finale Deinem Team raten, wie die Niederlande zu knacken sind?

Rullit: Das geduldige Kurzpassspiel scheint mir das geeignete Mittel, durch die mitunter löcherige Abwehr zu stoßen und dann von der Grundlinie in den Rücken der Abwehr zu flanken. Auf das Kampfspiel sollte man sich nicht einlassen.



Diesen Artikel bookmarken bei...
  • Mr Wong
  • Del.ico.us
  • Reddit
  • Digg

Hinweis: Diese Verlinkungen führen Sie auf externe Seiten.
Bei Wikipedia erfahren Sie mehr zu Soziale Lesezeichen.?

Ralf Augsburg  07.07.2010blindgif zurück zur Startseite Diesen Artikel lesen Diesen Artikel ausdrucken Möchten Sie den Artikel ''Ein Rullit hat 90 Sekunden - Folge 23'' weiterempfehlen?
 
Blindgif
blindgif
Editorial | Kontakt | Impressum
zurück zur Startseite