Es ist halt auch eine Frage des Wollens. Italien dachte irrigerweise, sie spielen hier mit ihrer Routine das Ding durch. Kritisch war zudem der Ausfall von Buffon. Einen der slowakischen Treffer hätte er mindestens vereitelt, und dann hätte sich die Elf wohl wieder mal durchgewurschtelt.
Einseitig: Rullit, Du hast keinen Hehl daraus gemacht, dass Du Italien bei dieser WM nicht viel zutrautest. Aber ein Ausscheiden in der Vorrunde - als Gruppenletzter hinter Neuseeland - das hast vermutlich nicht mal Du erträumt. Was sind die Gründe für dieses Fiasko?
Rullit: Wenn man ein Achtelfinale erreichen will, dann reichen 15 Minuten Anstrengung nicht aus - darauf lässt sich der weltmeisterliche Auftritt bei dieser WM gut reduzieren. Sie hätten das Potential gehabt, denn diese Einzelspieler bilden immer noch eine der besten Mannschaften der Welt. Es ist halt auch eine Frage des Wollens. Italien dachte irrigerweise, sie spielen hier mit ihrer Routine das Ding durch. Kritisch war zudem der Ausfall von Buffon. Einen der slowakischen Treffer hätte er mindestens vereitelt, und dann hätte sich die Elf wohl wieder mal durchgewurschtelt.
Einseitig: Es haben sehr viele Spieler aus dem WM-Kader 2006 auf dem Platz gestanden, die dann nur noch ein Schatten von einst gewesen sind. Hat Italien einen Generationenwechsel verpasst?
Rullit: Man kann von Trainer Marcello Lippi nicht erwarten, dass er total umdenkt. Da gibt es Parallelen zu Otto Rehagel und Joachim Löw, die halt den Spielern vertrauen, die sie kennen. Hier zeigt sich die Kunst, die richtige Mischung aus alten, erfahrenen Spielern und jungen Talenten zu finden, und dass es dazu ein gewisses Händchen braucht, ein funktionierendes Gefüge zu schaffen.
Einseitig: Wir sind es der Begegnung Italien gegen die Slowakei aber auch schuldig, noch mal auf sie einzugehen.
Rullit: Das war ein totaler Irrsinn. Auf italienischer Seite hatte man sich darauf verlegt, mit minimalem Aufwand und einem plötzlichen Tor am Schluss, gerne auch mal durch einen Elfmeter, die Sache für sich zu entscheiden. Da haben clevere Slowaken dem Weltmeister einen gründlichen Strich durch die Rechnung gemacht. Nach dem bis dahin von den Slowaken im Turnier Gebotenen hatte aber zugegebenermaßen wenig auf eine solche Leistung hingedeutet. So ist Fußball, und die vermeintlich Kleinen gibt es nicht mehr. Alle Mannschaften dieses Turniers mussten sich in fast allen Spielen strecken - es gab kein Team, das durch alle drei Spiele spaziert wäre. Nach dem 0:2 geschah dann etwas Erstaunliches: Die Italiener erzielten mitten in die slowakische Siegesgewissheit ein unglaublich brillantes Tor. Dieser Anschlusstreffer setzte Kräfte frei, und auf einmal zeigte die Mannschaft, was sie eigentlich zu leisten imstande ist.
Einseitig: Die Slowakei hatte laut eigenen Angaben tatsächlich schon den Rückflug für den Samstag in die Heimat gebucht. Mit so einer Einstellung hat man ein Achtelfinale ja eigentlich nicht verdient - aber auf dem Platz präsentierten sie sich zum Glück dann ja als alles andere als mutlos. Endlich mal ein vermeintlicher Außenseiter, der sich nicht in seine David-Rolle fügte.
Rullit: Es war wichtig, dass sie gegen diese statischen Italiener das 1:0 erzielt haben, denn ab diesem Zeitpunkt gewannen sie das Selbstvertrauen, dass für sie tatsächlich etwas drin sein könnte. Sie haben dann mehr in die Waagschale geworfen und sind dafür belohnt worden. Aber ich bin mir sicher: Hätten sie bereits 2:0 zur Pause geführt, hätten sie dieses Spiel nicht gewonnen. Denn dann hätte Italien seinen Angriffswirbel früher gestartet, und die Slowaken hätten dem nicht 45 Minuten Stand halten können.
Einseitig: Einen Satz, von dem ich nie geglaubt hätte, ihn mal zu hören, war der des neuseeländischen Trainers Ricki Herbert, er sei doch ein wenig traurig, so knapp das Achtelfinale verpasst zu haben. Auch nach dem Spiel gegen Paraguay bleiben die Ozeanier ungeschlagen.
Rullit: Das Spiel war nicht gut, eine Nullnummer der schlechteren Sorte. Aber die Neuseeländer haben sich wirklich wacker geschlagen und waren nie in der Gefahr, zu Schießbudenfiguren degradiert zu werden wie die Nordkoreaner gegen Portugal.
Einseitig: Das Spiel Niederlande gegen Kamerun in der Gruppe E war von der Ausgangslage weniger spannend, da die Europäer bereits für das Achtelfinale qualifiziert waren, während die Afrikaner bereits auf gepackten Koffern saßen. Und der Ausgang dieses Matches geriet dann auch danach.
Rullit: Die Einwechslung von Arjen Robben in der 73. Minute sorgte für einen Zündfunken im Spiel der Niederländer - ab da sahen wir ein anderes Team als das bis zur 72. Minute. Robben kam und legte sofort ein Tor für Klaas Jan Huntelaar auf. Diese punktuellen Energieleistungen bringt derzeit kein anderer Spieler der Welt. Seine Mannschaft spielt dank ihm mehr als das, was man sonst eher von Italien gewohnt ist. Mit neun Punkten sind die Niederlande nun sehr souverän durch - das hört sich allerdings toller an, als es spielerisch war - aber was zählt, ist das Ergebnis. Kamerun hat dagegen wirklich auf ganzer Linie enttäuscht. Bei ihnen fehlte kein Essien, kein Drogba - es waren alle Leistungsträger an Bord. Aber wie alle afrikanischen Mannschaften haben sie einfach aus dem Spiel heraus das Tor nicht getroffen.
Einseitig: Bei Dänemark gegen Japan ging es noch um "Siegen oder fliegen". Wie haben es die Japaner geschafft, sich doch ein wenig überraschend gegen die Dänen so klar durchzusetzen?
Rullit: Dank eines unfassbar schwachen dänischen Torwarts. So etwas bricht einer Mannschaft bei dieser WM sofort das Genick. Denn so mies waren die Europäer nicht, dass der Leistungsunterschied gleich mit zwei Gegentoren hätte bestraft werden müssen. Aber die Dänen haben sich diese Tore durch zwei Standardsituationen gefangen, wobei beim ersten Mal die Mauer nicht richtig stand. Das war hanebüchen! Davon ab war Dänemark alles in allem bei dieser Weltmeisterschaft fraglos schwach.
Einseitig: Das Achtelfinale sieht nun die Niederländer gegen Slowaken und die Japaner gegen die Paraguayer antreten.
Rullit: Wenn die Slowaken ihren Schwung und ihr Selbstvertrauen aus dem Italien-Spiel mitnehmen und die Niederländer nicht wesentlich steigern, dann könnte es enger werden als gedacht. Bislang kaschieren die Niederländer noch ihre schwache Innenverteidigung, die bis jetzt kaum gefordert wurde - aber wenn, dann wackelte sie bereits bedenklich. Man muss sehen, ob die Slowaken es schaffen, an dieser Stelle Druck zu entwickeln. Paraguay halte ich für defensiv stark, Japan ist sehr robust, und es scheint den Asiaten gut zu tun, dass bei dieser WM keine heißen klimatischen Bedingungen herrschen. Ich rechne mit einer offenen Partie bis zum Schluss. Treffsicher sind beide Mannschaften bisher nicht gewesen - und auf Patzer wie im Dänemark-Spiel dürfen die Japaner gegen Paraguay nicht hoffen. Der klangvolle Sturm der Südamerikaner mit Santa Cruz, Valdez und Barrios hat bisher auch wenig gezeigt.
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