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Ja, die Zootiere sind auch Krieger, aber sanfte Krieger der Biodiversität,:von uns in den Kampf geworfen für eine ökologische Modernisierung, demonstrieren sie gegen das Artensterben, gegen die Habitatzerstörungen.
Ja, die Zootiere sind auch Krieger, aber sanfte Krieger der Biodiversität,:von uns in den Kampf geworfen für eine ökologische Modernisierung, demonstrieren sie gegen das Artensterben, gegen die Habitatzerstörungen.
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Zootiere sind auch Krieger, aber sanfte Krieger der Biodiversität

Zoo und Züchtung

Von Peer Zickgraf

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in Gespräch mit dem Geographen und Biologen Dr. Markus Werner über sein Zoo-Projekt, Teil 3.

Einseitig.info: Jedermann meint es zu kennen: das Tier. Doch was ist das Tier aus der Sicht eines Biologen?

Werner: Tiere sind heterotrophe Organismen. In der Regel versteht die Biologie darunter die vielzelligen Metazoa. Tiere sind also nicht Pflanzen und nicht Pilze. Aus der Sicht der Biologie ist die Antwort auf diese Frage für unseren Zusammenhang eigentlich nicht so aufschlussreich.

Mich interessiert besonders die Frage: Was sind Zootiere? Um deren Sonderstellung zu kennzeichnen, habe ich sie kurz und knapp als Cyborg-Wesen bezeichnet. Zootiere sind künstlich übersteigerte Phänomene, weil sie mit dem, was der Mensch ihnen aufträgt, nämlich Botschaften zu transportieren, mehr sind, als sie scheinen. Als Repräsentanten ihrer Art, üben sie eine besondere Funktion aus. Sei es, dass sie darauf aufmerksam machen, dass ihre in Freiheit lebenden Artgenossen vom Aussterben bedroht sind, sei es, dass Sie darauf hinweisen, wie stark ihre Lebensräume bedroht sind, zerschnitten oder verkleinert werden. Sie sollen uns dazu ermahnen, ein Leitbild einer ökologischen Modernisierung zu entwickeln.

In einem alltagssprachlichen Gebrauch versteht man unter Cyborg ja vielmehr diese Science-Fiction-Ebene, also Menschen mit künstlichen Eigenschaften, wie Arnold Schwarzenegger als Terminator - wobei es sich ja strenggenommen um einen Android handelt. Egal.
Und was auf einer kulturwissenschaftlichen, anthropologischen Ebene mit Cyborg gemeint ist, sind ja eher die technischen, medialen und pharmakologischen Krücken oder Prothesen. In der bildenden Kunst hat der Australier Stelarc mit solchen prothetischen Anwendungen experimentiert. Im Rückblick sind dann auch die Brille, das Fahrrad, Nagellack und alles mögliche, ja auch das Pferd, Hund und Hahn Cyborg-Technologien des Menschen, so dass sich die Frage stellt: Sind wir nicht sowieso immer Cyborgwesen gewesen?

Demzufolge sind die Medien sind auch kybernetische Anhängsel des Menschen. Hat Marshall Mac Luhan Medien nicht auch als Prothesen bezeichnet? Die kybernetischen Anhängsel des Menschen stellen Instrumente, Werkzeuge, Waffen dar. Man könnte auch an den Philosophen Arnold Gehlen anknüpfen, der den Menschen als Mängelwesen definiert hat, dessen dieses Defizit durch allerlei Institutionen aber auch durch Werkzeuge und Waffen ausgeglichen wird.

Paradigmatisch für Cyborgs sind die Hightech-Soldaten mit Nachtsichtgeräten und GPS-Technologie. Es handelt sich um übersteigerte menschlich-männliche Existenzen, die ihren Körper und ihren Leib in hohem Maß der Technik und Technologie überlassen. Quasi-ferngesteuerte wandelnde Waffenkammern und Apothekenschränke. Richtige Krieger, oder episch gesprochen,-heroische, hypermoderne Rekonfigurationen alter Indianerkrieger, starkherziger Guerilla-Kämpfer oder auch der Star-Wars-Krieger gegen die dunkle Seite der Macht. Den Eindruck gebrochener, allzu menschlicher Existenzen, wie beispielsweise im Film ‚Apokalypse Now', soll man mit den Cyborgs nicht in Verbindung bringen.

Ja, die Zootiere sind auch Krieger, aber sanfte Krieger der Biodiversität: von uns in den Kampf geworfen für eine ökologische Modernisierung, demonstrieren sie gegen das Artensterben, gegen die Habitatzerstörungen. Sie sind bewaffnet worden durch die Evolutionsgeschichte, ihr Phänotyp ist ihre Rüstung,. Zootiere sind gewaltlose Freiheitskämpfer für ihre bedrohten Lebensräume und Artgenossen, manchmal frech aber nicht aggressiv, mit menschlichen Namen belegt und bekannten Stammbäumen plädieren sie in ihren ausgeleuchteten Displays wie zu einer Lichterkette aneinandergereiht den Wert der Artenvielfalt, der sich gegen den Klimawandel zur Wehr setzt.

Wir lassen sie in einer Reihe mit dem Indianerhäuptling Seattle tanzen: so führen sie uns die Funktionsfähigkeit von Ökystemen und deren Serviceleistungen vor Augen. In der Tat, das ist eine Riesenshow - mit so vielen Implikationen. Zootiere sind für mich Kulturfiguren, so wie der Kreuzritter, Che Guevara, Mahatma Gandhi, der Snob, der Dandy, der Flaneur, die Nachrichtensprecher, Quiz-Show-Moderatoren, Dieter Bohlen, Angie…Kennen Sie Snow Flake, Copito de Nieve, den Albino-Gorilla aus dem Zoo Barcelona? Absolut Kult.

Einseitig.info: Dieses Cyborg-Moment spielt auch eine Rolle in der gegenwärtigen Ausstellung von Harun Farocki im Museum Ludwig.

Werner: Wir sind ja nur kurz in der Ausstellung gewesen. Aber mir kam schon das cyborgologisch vor. Diese Studie der Fußballer oder die Ästhetik der militärischen Filmaufnahmen. Das erinnert mich natürlich auch an Paul Virilio, der die Fundierung unserer Medien durch die Militärwissenschaften untersuchte. Ja wirklich, ich glaube mit Virilio können wir Farockis Arbeiten ziemlich nahekommen. Aber wie Sie ja mit Bezug auf den Film erklärt haben:. Es ist neben nicht das, was es scheint zu sein. Es wird künstlerisch gebrochen - und sei es nur durch Verlangsamung. Virilio wird dann gegen den dromologischen Strich gebürstet.

Einseitig.info: An dieser Stelle möchte ich wieder Thomas Macho zitieren, der die Diversität der Natur und die Vorstellung ihrer Friedfertigkeit mit einer Metapher infrage stellte: "Während also das städtische Publikum in seiner Freizeit durch die Naturillusionen des Tierparks belehrt und unterhalten werden sollte, versuchten die Wissenschaftler, die sogenannten ‚wilden' Tiere zu zivilisieren. Dabei spielten auch ‚nationale' Interessen eine gewisse Rolle: einerseits sollte der Artenreichtum einer Nation und ihrer Kolonien vorgeführt, andererseits das friedliche Zusammenleben der verschiedensten Gattungen symbolisch demonstriert werden.

An dieser Symbolik partizipiert noch - um abermals ein aktuelles Filmwerk zu zitieren - Emir Kusturicas 'Underground' von 1995. Bekanntlich wird hier der Zusammenbruch der jugoslawischen Gesellschaft in eindrucksvollen Bildsequenzen von der Bombardierung des Belgrader Zoos dargestellt. Der künftige Bürgerkrieg wird durch Tiger und Elefanten, die frei zwischen den Bombenruinen herumlaufen, gleichsam vorweggenommen. Der aufgehobene ‚Tierfrieden' annonciert die Katastrophe des ‚bellum omnium contra omnes', von der schon Augustinus im ‚Gottesstaat' schrieb."

Werner: Beim Tierpark spricht Macho davon, dass Tiere domestiziert und akklimatisiert werden sollen; und sie wurden demnach auch kulturalisiert. Dies ist ein Moment, den ich auch vehement unterstreiche, wenn ich die Zootiere als Cyborg-Wesen bezeichne. Da diese Inszenierungen, nicht zuletzt in Hinsicht auf die Völkerschauen, vor dem Hintergrund des Kolonialismus stattfanden, verkündeten die Nationen, die diese Menschen ausstellten, dass sie über die technischen Mittel verfügten, nicht nur die Völkerschauteilnehmer zu transportieren, sondern die Welt an sich zu entdecken. Man wollte damit auch die eigene wissenschaftliche und kulturelle Entdecker-Kompetenz zur Schau stellen und gewissermaßen feiern. Es geht hier vieles Hand in Hand: Entdeckertum, Wissenschaft, Kaufmännisches.

Den Film "Underground" habe ich nicht gesehen; aber ich würde Ihnen da Recht geben. Wenn in einem bewaffneten Konflikt sogar ein Zoo zerstört wird, dann erscheint alles weitere auch möglich. Was ist schon ein Zoo, der hat weder einen infrastrukturellen, noch einen wirtschaftlichen und auch keinen offensichtlichen symbolischen Wert.

Wenn man ein von der Haager Konvention geschütztes Bauwerk zerstört, dann ist das nicht nur ein symbolischer Akt, sondern auch eine Aggression gegen die dort lebende Bevölkerung, gegen ihre Heimat, die zukünftigen Generationen zusteht. Aber einen Zoo zu zerstören, das macht gar keinen Sinn. Dann scheinen alle Dämme gebrochen zu sein: Chaos bricht aus. Wilde Tiere in der Großstadt, das mag ja noch ein Zeichen sein für ein funktionierendes Ökosystem Stadt, für eine Anima urbis, aber frei umherlaufende desorientierte verwilderte Zootiere, das ist Desorganisation pur.

In diesem Zusammenhang würde ich den Zoologischen Garten weniger im Sinne eines Kalkulationszentrum verstehen, vielmehr als eine quasi-universelle Repräsentation eines locus amönus, in der Form eines Garten. Ein vollkommen unparteiischer Ort also, in dem Ordnung und Frieden herrschen sollen. Der Zoo wäre hier eine tatsächlich verwirklichte Utopie. Wenn nun in Kusturicas "Underground" die Bombardierung der Stadt symbolhaft an den Anfang gestellt wird, und dabei der Zoologische Garten zerstört wird, dann kann man davon ausgehen, dass hier eine kompromisslose, nicht-selektive Bombardierung stattfindet, die außerordentlich aggressiv und rücksichtslos ist.

Einseitig.info: Am 1. März 2010 meldete Spiegel Online: "Das Meer hat einfach alles mitgenommen", stammelt Carlos Bustamante, ein Fischer aus der kleinen Ortschaft Caleta Duao, die fast vollständig ausgelöscht wurde. Ein ähnliches Bild boten weitere kleine Orte entlang der Küste wie Iloca oder Dichato, wo zudem aus einem Zirkus mehrere Löwen ausgebrochen waren und die Bevölkerung in Angst versetzten." Wie ordnen sie dies ein?

Werner: Das ist doch quasi dasselbe wie in dem eben erwähnten Film "Underground" - in diesem Fall aber das Chaos hervorgerufen durch ein Erdbeben.



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Peer Zickgraf  12.04.2010blindgif zurück zur Startseite Diesen Artikel lesen Diesen Artikel ausdrucken Möchten Sie den Artikel ''Zootiere sind auch Krieger, aber sanfte Krieger der Biodiversität'' weiterempfehlen?
 
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