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Eine Schultafel in Kigali
Photo: © Philip Kromer/mrflip
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Ruandische Verhältnisse

Normalität zwischen Explosionen?

Von David Haag

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ie Straßen von Kigali sind aufgeräumt, geradezu herausgeputzt. Am Morgen kommen die Putzkolonnen, Frauen, die mit kleinen, selbstgemachten Handfegern die rote Erde beiseite wischen, die sich wie schwerer Staub über das Land legt. Seit Plastiktüten in Ruanda gesetzlich verboten sind, gibt es nur noch wenige Menschen, die öffentlich Plastikmüll verbrennen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass auch das inzwischen verboten ist. Autoritäre Herrschaft sorgt für saubere Verhältnisse, sie setzt klare Regeln, an die man sich halten kann. Doch hat sie auch ihren Preis: zum Beispiel die Freiheit, das sagen zu können, was man denkt.

Ein Motorradtaxi rauscht vorbei, der Kopf des Fahrers zuckt für einen Moment, ahnt Kundschaft. Er trägt eine grüne Weste, einen grünen Helm, ein weiterer Helm baumelt lose an seinem Arm, für den Mitfahrenden. Auch er ist eine Nummer, wie alle anderen Motorradtaxis ist auch er registriert. Die Helmpflicht, die Registrierung retten Leben, die Zahl der Toten, der Verletzten ist spürbar gesunken, ist kein Vergleich zu der in Uganda. In Kampala sterben täglich mehrere Menschen in Motorradunfällen, werden von Autos erfasst, schlagen mit ihren Köpfen auf dem sengenden Asphalt auf. Auch Anarchie, die Abwesenheit von Herrschaft, hat ihren Preis. Ob dieser höher als der autoritärer Herrschaft ist, ist manchmal schwer zu sagen.

 

Es brodelt hinter der geordneten Fassade Ruandas. Die babylonische Sprachverwirrung, die dem Außenstehenden entgegenschlägt, ist nur ein Zeichen dafür. Manche sprechen Französisch, manche Englisch, manche beides, manche weder das eine noch das andere. Ruanda befindet sich auf dem Weg in den Commonwealth, will sich lösen von seiner kolonialen Vergangenheit, und sei es auch nur, um unter dem Dach einer anderen ehemaligen Kolonialmacht Unterschlupf zu finden. Über allem schwebt der Genozid, man spricht nur nicht darüber. Es gibt keine Tutsi, es gibt keine Hutu, es gibt nur noch Ruander, so ist es vorgeschrieben. Doch der Groll, der gegenüber Frankreich gehegt wird, spricht eine andere Sprache.

 

Drei Granaten explodieren Mitte Februar in Kigali, 6 Monate vor den Präsidentschaftswahlen. Im Verdacht steht die Opposition, die aus Sicht der Regierung das ist, was sie nicht sein sollte: keine Ruander, sondern Hutu. Die Granaten detonieren direkt in den Köpfen und reißen die alten Gräben wieder auf, die nie richtig zugeschüttet wurden. Ruanda stehen unruhige Zeiten bevor.

 

Wenige Tage vorher ist auf dem Balkon eines Cafés nur wenig davon zu spüren. Der Blick eröffnet sich über grüne Hügel, in die sich die Stadt schmiegt. Die Kunden sind zum größten Teil Weiße, Geschäftsleute, Entwicklungshelfer, Mitarbeiter von NGOs. Vor dem Café stehen große Geländewagen, auf denen die Logos der Organisationen prangen. Die Preise sind nicht nur in diesem Café gesalzen, auch die Hotels oder die Gastronomie haben sich auf ihre Kundschaft aus Europa und den USA eingestellt. Mit westlichen Gehältern lässt sich gut leben in Kigali und darüber vergessen, dass das Preisniveau auch die Einheimischen betrifft. Drei Amerikaner verlassen das Café, kurz darauf verschwindet ein Land Cruiser aus einer der Parklücken Richtung Place de l'Unité Nationale. Zwei der Granaten werden hier wenige Tage später explodieren.

 



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David Haag  06.04.2010blindgif zurück zur Startseite Diesen Artikel lesen Diesen Artikel ausdrucken Möchten Sie den Artikel ''Ruandische Verhältnisse'' weiterempfehlen?
 
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