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Podiumsdiskussion zum Thema:<br>
„Klarheit und Wahrheit: Wo steht die Kulturpolitik?“ am Montag dem 17.08.2009 um 19 Uhr im Kölnischen Kunstverein, Hahnenstraße 6, 50667 Köln<br>
mit den Kölner OB-Kandidaten und Fraktionsvorsitzenden, moderiert von Jürgen Keimer, Journalist, früher Kulturchef WDR 5<br><br>
Bild: das aktuelle Plakat von Jürgen Stollhans (Ausschnitt)
Podiumsdiskussion zum Thema:
„Klarheit und Wahrheit: Wo steht die Kulturpolitik?“ am Montag dem 17.08.2009 um 19 Uhr im Kölnischen Kunstverein, Hahnenstraße 6, 50667 Köln
mit den Kölner OB-Kandidaten und Fraktionsvorsitzenden, moderiert von Jürgen Keimer, Journalist, früher Kulturchef WDR 5

Bild: das aktuelle Plakat von Jürgen Stollhans (Ausschnitt)
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Wie Phönix aus der Asche?

„Kölner Komment“ stellt sich vor

Von Peer Zickgraf

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öln hat mit dem Einsturz des Historischen Stadtarchivs sein historisches Gedächtnis verloren und jetzt droht auch noch der Kahlschlag in der Kultur. Grund genug, dass sich prominente Kulturschaffende in der Initiative „Kölner Komment“ zusammengeschlossen haben, um Öffentlichkeit zu mobilisieren und die Politik in Haftung zu nehmen. Einseitig.info hakte bei der Mitorganisatorin von „Kölner Komment“, Birgit Laskowski nach.

Einseitig.info: Welchem Umstand verdankt „Kölner Komment“ seine Entstehung?

 

Laskowski: Nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs, der weit über die Stadtgrenzen hinaus Wellen geschlagen hat, haben sich einige Leute aus der Kulturszene vorgenommen, etwas zu unternehmen. Bald kam die Idee auf, unter der Schirmherrschaft des Kölnischen Kunstvereins die Initiative „Kölner Komment“ zu gründen und eine Kooperation mit der StadtRevue aufzubauen, die in Köln viel gelesen wird.

 

Es sollte über einen längeren Zeitraum regelmäßige Aktivitäten geben, weil man befürchtete, dass eine einmalige Veranstaltung oder Kundgebung verpuffen würde. So erscheint nun in der StadtRevue elf Monate lang ein Künstlerplakat mit einem Kommentar zur Kultur in Köln. Hilfreich für „Kölner Komment“ war, dass es prominente Erstunterzeichner des im Mai publizierten Aufrufs gab.

Die großen Namen gaben der Aktion die notwendige Glaubwürdigkeit und Relevanz. Es ist aber ausdrücklich jeder kulturinteressierte Bürger aufgefordert, sich der Initiative unter www.koelnerkomment.de  mit seiner Unterschrift anzuschließen.

 

Einseitig.info: Wieso heißt die Initiative „Kölner Komment“?

 

Laskowski: Das ist ein Kunstwort, das auf die Tradition des studentischen Komments, also der Formulierung eines Regelkanons, auf die Wörter Konvent (Zusammenkunft) und Kommentar anspielt – und die kölsche Gepflogenheit ironisiert, für alle Lebenslagen einen sprichwortartigen Kommentar parat zu haben.

 

Einseitig.info: Ist „Kölner Komment“ also ein Kommentar von Kulturschaffenden zu zwei einschneidenden Krisen? Die Stadt ist mit dem Einsturz des Stadtarchivs gewissermaßen des historischen Gedächtnisses verlustig geworden, während der Ausbruch der Weltwirtschaftskrise im Jahr 2008 Köln vermutlich besonders hart treffen wird – mit den zu erwartenden Folgen für die Kultur.

 

Laskowski: Es ist sicherlich ein Kommentar, der die Finanzierung der Kultur betrifft. Wir befürchten, dass das Kulturbudget zuerst unter den Kürzungen zu leiden hat. Viele von den Unterzeichnern waren aber von dem Einsturz des Stadtarchivs höchst persönlich betroffen. Dazu gehört etwa Hans Bender, der den Textbeitrag für das kommende Künstlerplakat in der Septemberausgabe der StadtRevue zur Verfügung stellen wird.

 

Er hat auf Anraten von Heinrich Böll fast seine gesamte Korrespondenz dem Stadtarchiv zur Verfügung gestellt. Darunter befanden sich zum Beispiel Briefwechsel mit Rolf Dieter Brinkmann und anderen Schriftstellern, die literaturwissenschaftlichen Belang haben, aber auch privat eine große persönliche Bedeutung für ihn besitzen. All dies ist ins große Loch gestürzt.      

 

Einseitig.info: „Kölner Komment“ wendet sich auch an die Politik. Was möchte die Initiative mit dem Podiumsgespräch im Kölnischen Kunstverein erreichen, zu dem am 17. August 2009 sämtliche Oberbürgermeisterkandidaten erwartet werden?

 

Laskowski: Für uns ist der Punkt erreicht, wo man sich nicht mehr mit irgendwelchen Floskeln oder falschen Versprechungen durchschlagen kann. Schließlich hat genau diese Einstellung den Einsturz des Stadtarchivs mit verursacht. Dem Einsturz mag eine lange Vorgeschichte an Fehlplanungen vorangegangen sein, doch das Beispiel lässt sich auch auf andere Bereiche übertragen.

 

Es gibt ja schon länger das Thema der Abwanderung von Kulturschaffenden, insbesondere aus dem Bereich der Kunst, in andere Städte. Die Befürchtung besteht, dass auch anderen Kultursparten in Köln das Licht ausgedreht wird. Und das in einer Situation, wo Neugründungen von freien und kommerziellen Kunst- und anderen Kulturinitiativen wieder deutliche Akzente gegen die psychologische und wirtschaftliche Depression setzen. Schlechte Zeiten rufen ja auch Solidarität hervor und stimulieren neue Initiativen. Diese sind aber auf Geld angewiesen, die diese Aktivitäten unterfüttern.   

 

Einseitig.info: Nun wechseln sich bei „Kölner Komment“ dadaistische Momente (etwa der „Silly Walk“) – mit Elementen einer politischen Kampagne ab. Wie erklärt sich dieser Wechsel von Methoden und Inhalten bei der Mobilisierung?

 

Laskowski: Das basiert darauf, dass wir eine Doppelstrategie verfolgen möchten: Zum einen muss es aus unserer Sicht eine konkrete politische Ebene geben, die angesprochen und dingfest gemacht werden soll – auch nach den Kommunalwahlen. Dies soll mit der Podiumsdiskussion erreicht werden, die Mitte August im Kölner Kunstverein stattfindet. Das andere Moment, der „Silly Walk“ funktioniert nach dem Prinzip „Brot und Spiele“. Es soll dafür sorgen, dass in der Kunstszene Veranstaltungen stattfinden, die das Publikum mit einem Unterhaltungswert aktivieren. Allerdings werden diese Aktionen mit inhaltlichen Aspekten und kulturpolitischen Fragen verbunden und hier wie dort ist Nachhaltigkeit angestrebt.

 

Der „Silly Walk“ wurde im Juli am Tauben-Brunnen gestartet, der eine gewisse Symbolkraft besitzt – er wurde von dem Künstler Ewald Mataré geschaffen und ist nah am Dom situiert. Kasper König hat den Brunnen mal geschrubbt, um als Direktor des Museum Ludwig symbolisch zu bezeugen, was er unter Kulturarbeit versteht.

 

Ausgehend vom Mataré-Brunnen hat sich die Prozession über den Rhein begeben, um ein Gelände am Deutz-Mülheimer Hafen anzusteuern. Dieses wird schon seit geraumer Zeit von Kulturschaffenden besiedelt – dort gibt es Künstlerateliers, es sind aber auch Handwerker, Architekten und Musiker ansässig. Das  Areal ist eine Keimzelle für die Kölner Kultur.

Hier ist auch der Documenta-Künstler Jürgen Stollhans mit seinem Atelier angesiedelt. Er gründete mit dem Künstler Peter Güllenstern eine Akademie in der angrenzenden, augenzwinkernd so getauften „Fritz-Schramma-Halle“. Die Akademie hat sich zum Ziel gesetzt, regelmäßige Veranstaltungen wie Filmseminare u. ä. anzubieten. Bei dem Angebot geht es auch um die Weiterentwicklung von künstlerischen Ideen.


Dort gab es nach dem „Silly-Walk“ eine Gala, wo auch die sensiblen Themen wie etwa die spekulative Nutzung dieses Gelände zur Sprache kamen. Dieses Gebiet ist nämlich auch für die Wirtschaft interessant, so dass es im Entwicklungsplan der Stadt Köln entsprechend ausgewiesen wurde. Mit anderen Worten: Das Gelände ist Spekulationsgebiet und es stellt sich die Frage, wie lange es für die Kulturszene noch erhalten werden kann.

 

Einseitig.info: Welche Erwartungen verknüpft „Kölner Komment“ mit der Podiumsdiskussion im Kunstverein?

 

Laskowski: Zum einen geht es darum, dass man an die interessierte Öffentlichkeit an einen prominenten Ort einlädt und die OB-Kandidaten in gebündelter Gestalt auf dem Podium hat. Wir möchten sie verpflichten, konkrete Aussagen zu treffen. Es darf nicht wieder dazu kommen, dass die Verantwortung für die Kulturpolitik auf die Verwaltung abgeschoben wird.

In Köln ist es schon öfter vorgekommen, dass die Verantwortung für gescheiterte Vorhaben zwischen Politik und Verwaltung hin- und her geschoben wurde. Darüber hinaus möchten wir uns bei den Politiker nach ihrem persönlichen Kulturbegriff erkundigen, um sie damit aus der Reserve zu locken und es ihnen zu erschweren, sich hinter Wahlslogans zu verschanzen.

 

Einseitig.info: Eine Kernfrage scheint mir ferner das Problem der Privatisierung vieler städtischer Kultureinrichtungen zu sein – sie schwingt wie ein Damoklesschwert über die Kulturszene. Wird der Punkt auch eine Rolle in der Podiumsdiskussion spielen?

 

Laskowski: Es geht dort in erster Linie um Themen wie den Masterplan, den Kulturentwicklungsplan oder die ausgebremsten Umbaumaßnahmen der Oper. Allerdings wird die Diskussion gegen Ende auch geöffnet und wer andere Fragen stellen möchte, wird dafür die Gelegenheit bekommen.

 

Die Privatisierung ist sicherlich ein Thema. Sie wurde bereits im Vergleich mit der Stadt Düsseldorf angesprochen thematisiert. Dort gibt es mehr Geld für die Kultur, doch wer genauer hinschaut, kann feststellen, dass diese zusätzlichen Mittel aus den entsprechenden Privatisierungsmaßnahmen hervorgingen.

 

In Düsseldorf gab es umfangreiche Privatisierungen, die die Stadt Köln bislang nicht getätigt hatte. Also müsste man sich fragen, ob dies ein unumgänglicher Schritt in den Kommunen ist, und was falsch läuft, wenn man diesen Weg einschlägt. 

 

Einseitig.info: Hat „Kölner Komment“ auch weitergehende Vorstellungen, die über die Realpolitik hinausgehen?

 

Laskowski: Beispielsweise die, dass wir die getrennten Kultursparten miteinander in einen Dialog bringen möchten.

 

Einseitig.info: Meine Frage geht darüber hinaus: gibt es einen eigenen Kulturbegriff bei „Kölner Komment“?

 

Laskowski: Auf dem Juli-Plakat des Komment waren ein paar Schlagworte hierzu formuliert: Kultur ist Sprache, Bildung, Integration, Wirtschaft, Zukunft. Es zeigt sich durchaus, dass es schon in den eigenen Reihen keine einfache Aufgabe ist, sich über eine Art gemeinsame Charta zu verständigen. Das, was Du mit Bezug auf „Kölner Komment“ als dadaistisch bezeichnet hast, trifft zu, hat aber auch eine dynamische Komponente.

Der Gefahr des blinden Aktionismus muss man sich tatsächlich immer selbstkritisch bewusst bleiben. Allerdings kann man sich gegenseitig ausbremsen, wenn man die Dinge ganz zu Ende denken will, bevor man handelt. Aus diesem Dilemma kommt man nicht raus. Unser Eindruck ist, dass sich die Initiative rasch verbreitert hat: immer mehr Stimmen kommen hinzu. Sie zeigen, dass wir uns in einem Prozess befinden. Und diese Reaktionen werden uns gleichzeitig dabei helfen und darauf verpflichten, uns wirklich auf einen bestimmten Kulturbegriff zu verständigen. Nicht zuletzt geht’s ja auch um die Aktivierung des Dialogs unter den Kulturschaffenden in dieser Stadt.

 

Kultur ist ein Wirtschaftsfaktor, darf aber nicht auf diese Funktion reduziert werden. Diese Notwendigkeit unterstreicht auch der allerorts zu beobachtende Druck auf kommunale Kultureinrichtungen, sog. Alleinstellungsmerkmale zu entwickeln. Das ist ein Trend, der um sich greift. Wie ist es zu beurteilen, wenn ein Kunstverein oder ein Museum von den Geldgebern in regelmäßigen Abständen darum ersucht wird, Kassen füllende Ausstellungen zu realisieren, die unter Umständen mit dem eigenen Programm und dem inhaltlichen Anspruch der Ausstellungsleitung gar nichts zu tun haben? Hier muss man sich fragen, wo wir als „Kölner Komment“ stehen und wie wir ein Gegengewicht zu diesen Entwicklungen schaffen können. 

 

Einseitig.info: Vielleicht sollte man das Thema Kultur- und Sozialpolitik programmatisch stärker verknüpfen und dabei die Schnittstellen suchen. Wie seht Ihr das?

 

Laskowski: Diese Frage betrifft gerade die vielen kleinen Institutionen. Klein muss ja nicht heißen, dass man elitärer wird. Es bedeutet zunächst mal Freiraum. Eine größere Institution erreicht natürlich ein breiteres Publikum, schon, da sie ja einen anderen Apparat zur Verfügung hat. Sie ist aber auch anderen Wirtschaftlichkeitszwängen ausgesetzt.

 

Und wenn es um Inhalte geht, haben gerade die kleinen Institutionen die Chance zu einem Lokalbezug  – und sind die Garanten dafür. Man kann beispielsweise die Künstler bitten, in partizipatorischen Projekten über soziologische Aspekte in ihrem Viertel zu arbeiten.  

 

Kürzlich gab es hier in Köln ein sehr qualitätsvolles Theaterfestival mit dem Schwerpunkt politisches Theater. Es ist allerorten bewusst, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse nicht besser werden. Deswegen ist es wichtig, dass die Menschen ein stärkeres politisches Bewusstsein entwickeln und mehr Kulturangebote bekommen. Es darf nicht dazu kommen, dass sich die Menschen die Kultur nicht mehr leisten können.

Birgit Laskowski, Kunsthistorikerin, arbeitet als freie Kunstvermittlerin und -autorin und Kuratorin.

 

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„Klarheit und Wahrheit: Wo steht die Kulturpolitik?“ am Montag dem 17.08.2009 um 19 Uhr im Kölnischen Kunstverein, Hahnenstraße 6, 50667 Köln

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Peer Zickgraf  12.08.2009blindgif zurück zur Startseite Diesen Artikel lesen Diesen Artikel ausdrucken Möchten Sie den Artikel ''Wie Phönix aus der Asche?'' weiterempfehlen?
 
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