Hier aber steht er hauptsächlich als Veranlaßung zu der Erscheinung der Kometenlichter an dem Nacht Himmer meiner Bekenntniße, in dem ich durch ihn mit der Elfenbeinernen Maus bekannt wurde, die mich nicht wenig beunruhigt und mit ihrem Geräusch au fmeinen Kopfküßen mir manche Nacht den Schlaf geraubt
orab: Das "wundgejukte Herz": "Seine Natur ist immer freundlich, sein Geist oft hart und schneidend, und ohne Urtheil für die Wahl der Zeit und Person. Eine Frau kann ihn am Faden seiner Wunderlichkeit wie einen Maikäfer qualvoll herumsurren lassen." Karl August Varnhagen von Ense charakterisiert in einem Brief an seine Frau Rahel vom 24.10.1811 sehr treffend Brentanos ebenso burleske wie groteske Mischung biografischer und existenzieller Motive, die sich in dem Bruchstück des Romans "Der schiffbrüchige Galeerenskalven vom todten Meer" überschlagen, das wohl im Dezember des Jahres entstand. Dieser tolle Text ist recht autobriographisch, ein "Nacht Himmer meiner Bekenntniße", die Brentano damals hatte schreiben wollen (so Wilhelm Grimm). Die Namen sind kodiert: Varnhagen tritt als "Implicatore" auf, die katholisch konvertierte Schriftstellerin ist Sophie Bernhardie-Tieck, die Schwester Ludwig Tiecks. "Bonascopa" ist der bekannte Architekt Karl Friedrich Schinkel, Reisegefährte und Freund Brentanos. "Benone" aber ist der Name unter dem Brentano selbst auf der Flucht vor seiner zweiten Frau, Auguste, Anfang 1809 inkognito reiste. Seine erste Frau, Sophie Mereau-Brentano, die er 1799 in Jena kennen lernte, war 1806 verstorben. Nach einer dreijährigen Trennung hatten sie erst drei Jahre zuvor geheiratet.
Just an dem 24. Oktober 1811 des Briefes hatte Varnhagen Brentano in Prag mit "der Brede" bekannt gemacht. Die 25jährige Schaupspielerin Auguste Brede war gerade frisch am Theater - "sie gefällt ihm sehr gut, auch gefällt ihm, dass sie der Steffens ähnlich sieht, er sagt aber ihre Seele haben den Schnupfen, und stimmt mir bei, wenn ich fürchte, daß ihrer Lieblichkeit ein rot Mäuschen aus dem Mund fahren könnte", heißt es in Varnhagens Brief. Brentano führte sie in sein Dachstübchen (in der Spornergasse in Prag)... - "ich war drei Wochen ernsthaft in sie verliebt und habe ihr viel Lieder und Briefe geschrieben, auch eine ganze Nacht unter ihrem Fenster den Kometen angeschaut […] ich habe aber die Passion zierlich abgebrochen, weil zu viele Leute in Sie verliebt sind, und sie allen gleich artig ist", schreibt er an Arnim. Die Szenerie mit der untreuen "Eidexe" Perdita und ihrem ausgeplünderten Liebhaber endet mit einem Entschluß: Es geht nach Neapel. Hier weitet sich sich das Liebeserleben zur Satire des Theaters und zu einer grandiosen Gesellschaftskritik als Lob der Plattheit, das in einer burlesken romantischen Umkehrung von Bühne und Welt mündet.
[…] , - Noch eins Mädchen, wer ist dann Schuld an deiner verdammten Seele? - Ei das Katholisch werden der verzwickten Dichterinn, die sich hier für eine Gräfinn ausgiebt, sie lügt und ziert und schraubt, da muß man es ja lernen, und doch hat sie mich weggejagt, weil ich keinen Sinnn für höhere Kunst habe, aber sie war eigentlich eifersüchtig auf mich - ho, ho - Nun gehe in Gottes Nahmen, du wunderliche Liebe verfluchte Seele fort, fort - und so mit lief die Eidexe mit dem Hündchen, und ihrem Raub singend ab. - ich bin ja so geschwinde als ein Mädchen kann sein. -. Ich aber blieb zurück, und als ich das kleine Kreutz, das sie mir zurückgelassen hatte ergriff, durchdrang mich eine nahmenlose Rührung, ich war fest entschloßen Rom auf einige Zeit zu verlassen, wenige Kleider packte ich zußammen, steckte meinem Hausherrn einen Brief an die Thüre, und begab mich zu meinem Freunde Bonascopa, ich fand ihn vor der Hausthüre einpackend - Wollen Sie mit nach Neapel fragte er, da er mich ankommen sah, als wäre die Zusammenreise unter uns verabredet, Um Gotteswillen ja, sagte ich - wir stiegen ein, und schon schien die Morgensonne in unsern Wagen, als wir uns erst über unser Zußammen reißen, über den erwünschten Zufall, und über das tolle Abentheuer der Nacht unterhielten.
DRITTER ABSCHNITT Kometen Lichter. Die schöne elfenbeinerne Maus. Bonascopa verließ mich in den ersten Tagen in Neapel, und reißte nach Palermo um das Panorama dieser Stadt, von dem Kapuziner Kloster aus, zu mahlen. Ich suchte mir einen heimlichen Winckel in diesem Ameisenhügel, und sieh da, bald war ich bei einer säkularisirten Nonne und einer geschiedenen Frau in einem kleinen Dachstübchen eingenistet, und nachdem ich der Muße meine Adreße geschickt hatte zögerte sie mehrere Wochen mich zu besuchen, ich glaube theils einige Eifersucht und gerechte Erbitterung über meine Tollheit mit der verruchten Perdita, theils die vielen hohen Treppen zu mir heraus mochten sie abhalten, und da ich weder an meinem Gedicht vom Psalter Mariae, noch an der Ammenwelt, noch an dem fahrenden Schüler zu arbeiten Freude hatte [= Brentanos "Chronika des fahrenden Schülers"], so laß ich entweder im Dante, oder ich strich durch Kirchen und Gassen, wie einer der einen verlohrnen Wohltäter sucht, um ihm zu dancken.
Unter vielen Schauspielen, welche die bunte Menge abends szssamenlockte, war besonders der Komet, der zu dieser Zeit am Himmel gespenstete, mit Wehmuth hörte ich die leere dumme fade Klarheit des algemeinen Volksurtheils über seine Erscheinung, in den Leuten war auch kein bischen vernünftgier Aberglaube mehr, und ich belauschte eine Gruppe nach der anderen mit demselben Verdruß, ja Freudenmädchen, welche hier einen Zettel in Kalabresischer Mundart, Traum der Maria genannt, gegen Pest und schnellen Tod, und Anstreckung auf blosem Leibe tragen, Verliebte Paare die einem stupiden Schlingel der durch vier Ellen grobes Tuch und einen Strick drum zum Kapziner gemacht worden, eine Flasche gestohlenen Rosoli in den Ermel stecken, damit er ihre Intention in sein Memento bei der Meße einschließe, Vornehme Damen, die bei jedem heftigen Winde behaupten, jetzt erhenke sich Jemand, Ehefrauen, die ihre Intriquen dem Blut des heiligen Januarius empfohlen, allen war es nicht möglich bei der wunderbar himmlichen Erscheinung, auch nur einen außerordentlichen Gedanken zu haben, eine einzige abgedroschene Anecktode von Verwechselung des Wortes Komet, mit Kornet hörte ich überall wieder, und ich sah wieder, daß die Aufklärung dem Volke allein die Sterne vom Himmel wegnimmt, damit die flhe sie besser beissen können im Dunklen.
Das beste waß ich hörte, war eine portugiesische Jüdinn, die ihren Cicisbeo [Liebhaber] sagte, der Komediant am Himmel hat ein recht hellen, starkes, langes Organ. Und als ich neben ihr stehend ausrief, o du Himmlischer Pfau, der auf die Sternenzinne geklettert ist, der untergegangenen Zeitsonne sehnsüchtig nachzuschreien, o schlage dein Funkelndes Tausend Augen rad vor diesen Unglaublichen auseinander und thue einen Schrei, und fliege durch die Nacht hin, nach dem Lande wo der neue Messias geboren wird, gieng sie lachend fort, aber ein junger Mann in römischer Mundart trat neben mich und fragte, ob ich nicht Benone aus Rom sei, und ob ich die Mutter des neuen Messias nicht kenne, dabei fiel mir nun die kleine Perdita ein, und das Geschwätz vom neuen Messias, ich dachte er sei vielleicht einer ihrer Liebhaber, und fragte, woher er mich kenne, da erfuhrt ich denn, daß wir viel von einander wusten durch gemeinsame Bekannte ohne uns je selbst gesehen zu haben. Er hieß Implactore war ehedem Arzt gewesen und hatte jugendlich seinen Irrstern an die Untergehende Sonne des Neapolitanischen Haußes geknüpft, indem er die Schlange Higieas dem Medusenhaare des Kriegs einflocht, und wenigsten die Ehre einer Schußwunde nebst mancher Erfahrung davon trug. Er ward mir ein schneller Bekannter, denn es war uns manichfach vorgearbeitet, ich fragte ihn um seine Mutter des neuen Messias, aber er meinte Perdita nicht, von der er nichts wuste, er meinte es beinahe ernsthaft, von einer geistreichen Jüdinn, die er unter den Zauberbechern seines taschendspielenden Lobes bald in dieser bald in jener Apotheoße vor zeigte, er verschluckte sie wie zwanzig Ellen Band, und zog sie in lauter schönen Schleifen wieder zum Munde heraus, er fraß sie, wie ein Knaulhaar Hinab, und spie sie in den manichfaltigsten Perücken wieder wieder aus, er fraß sie als Colophonium und verblizte sie zwischen den Zähnen, alles zur größeren Ehre Gottes - sonst war er recht angenehm und klug und wir genoßen in der Fremde die Lust unsre Heimath und Neapel durch einander zu glossieren -.
Hier aber steht er hauptsächlich als Veranlaßung zu der Erscheinung der Kometenlichter an dem Nacht Himmer meiner Bekenntniße, in dem ich durch ihn mit der Elfenbeinernen Maus bekannt wurde, die mich nicht wenig beunruhigt und mit ihrem Geräusch au fmeinen Kopfküßen mir manche Nacht den Schlaf geraubt, ich beginne nun meine Geschichte mit der Topina d'Avorio - -, bei welcher weder ihr noch mir Etwas vorzuwerfen ist, als daß ich kein Kater bin, der Elfenbeinerne Mäuße frißt, und von dem sie sich fressen laßen. Ein Glück für beide Theile, denn ich hätte mir erstens die Zähne ausgebißen und zweitens eine Unverdaulichkeit zugezogen, und Sie, sie wäre zu Grunde gegangen. So aber wird sie noch lange ein schöne feste Glatte elfenbeinerne Maus bleiben, und wenn sie wirklich nur die Fee aus dem Märchen le bon petit souris blanc sein sollte noch viele Kinder erfreuen und Prinzen und Helden beglüken. -
Der Kurs meines Papieres muß damals gegen meine klingende Münze sehr schlecht gestanden haben, ja die Muße schien den Klingendem Muth meiner Seele wirklich, wie die Neapolitaner sager, papierlen zu wollen, denn ich gieng einigemahl ins Theater. Es giebt heut zu Tage und alle Zeit nur ein bequemer Zustand, nehmlich der plattierte, platt zu sein ist das einzige Mittel, das selbst das Blei schwimmen lehrt, der platte ist immer au Niveau, der platte hat hinreichend Religion, um plattem Gottesdienst zu dienen, hinereichend Geschmack, um platte Kunst zu genießen, hinreichende Glätte platten Frauen zu gefallen, ja selbst Gewicht genug, wären leztere och nicht ganz platt, sie platt zu schlagen, der platte ist jedem platten bequem; Ja dieFrauen besonders sitzen, selbst die bessern, heutzutage zwischen den zwei Stühlen der Bildung und der Natur so platt an der Erde, daß ich es wage zu sagen, unter hunderten wird nicht eine, eine reiche Goldstufe einer Patierten Theemaschine vorziehen. Doch ich gieng ins Theater, ohne je zu wissen waß ich sah und hörte und es war mir interessanter die Gesichter der Leute um ich her zu betrachten und ihre Reden zu belauschen, als dem Schauspiel und seinen Spielern zu folgen, aber die Bühne rächte sich an meinem Uebermuth. Aus der lahmen Klatscherei der Komedianten heraus hörte ich oft eine schwache, aber sehr präzise Stimme, eine klare verständige Akzentuation, sie wüste was sie sprach, und sprach sie der Menge gleich nicht immer an das wundgejukte Herz, so gefiel sie doch dem Verstande, wenn einer da war, nur war mir fatal, daß sie dadurch der Roheit Zeit ließ, eine sinnlichere Berührung mit ihr zu wünschen, diese Schauspielerin sprach den römische Dialekt und hieß T o p i n a d' A v o r i o. Ihre Stimme machte mir einen ungemein rührenden Eindruck, mit Armuth, Sitte, Haushaltung, und Fleiß und Anlage und Verstand konnte sie eine große Gesellschaft von Empfindungen mit dieser ihrer Stimme bewirthen.
Ich hörte Sie gern und wenn sie auftrat, machte ich oft die Augen zu, um sie besser zu hören, denn sehen konnte ich die Topina wegen meinen schlechten Augen nicht, aber bald fühlte ich, daß es ihre Stimme nicht allein war die ich hörte, es waren frühe herrliche Klänge, die aus Verstummten Saiten der ersten schönsten Harfe meines Lebens in dem geheimsten verschloßensten Winkel meines Herzens mitsprachen. Ich wollte der Topina wohl, dachte übrigens nichts bei ihr, als wenn ich mir ein bild von ihr entwarf, so glaubte ich sie blauaugig und blond, und zart und fein, doch konnte ich nicht umhin mir folgende Schlüße über ihren Charackter zu machen. Entweder ist sei ein ganz vortreffliches ausgezeichnetes Wesen, und nur durch Schicksale oder Geburt bewogen worden der Kunst in ihrer jetzigen schlechten Zeit zu dienen, oder Sie ist ein leichtsinniges bequemes Kind das von seiner Anmuth von einem Tag und seinen Anbetern zum andern hin getragen wird, und das nie wißen wird, waß es wehrt ist, ja das vielleicht nie sich selbst fühlt, als daß es die Lust aufgäbe, es sich auf mancherlei schlechte Art von reichen Müßiggängern sagen zu laßen. Es sei, wie es wolle in jedem Falle ist T o p i n a zu bedauern, aber waß geht es Sie an, wenn Sie es nicht fühlt, wenn Sie es aber fühlt, so kann Sie ein Engel sein, und seelig der es ihr zum ersten mahle sagt. - Das ist Etwa, waß ich bei Topina dachte, waß ich ihr kurze Zeit drauf selbst dagte, waß ich ihr schreib, vieles und Wahres, waß Sie mir antwortete, mündlich, artiges für Tiefes, wie ich selbst mit allen Meinen Gedancken und Empfindungen nicht sein Konnte, als eine Rolle die sie durch laß, aber eigentlich weder verstand, noch verstehen wollte, wie ihr das Bequemere bequemer war, wie ich Sie vermied, um nicht zu fühlen, daß ihr dehmütigere Gesellschaft hinreichte, und um meine Leiderschaft für Sie würdiger zu behandeln, als Sie selbst vor andern Geschichten Zeit, Lust und Laune hatte, wird bald hier unten zu lesen sein, nicht ohne einige Belehrung, daß der weltliche moderne Amor nur nach eineer gewißen Etickette sein Glück macht, und aß man sich nicht din diesen Tagen hin geben soll, ohne Etwas dafür zu erhalten. Aber dieser Lehre folge, wer da wolle, ich selbst will den Brunnen des Weines frei springen laßen, und den gebratenen Ochsen des seeligen Uebermuths, so lange Preiß geben als mich Begeisterung noch zu einem Kaiser des inneren Lebens krönet, und somit Welt nimm hin das, Waß ist das? Es ist ein Ring von meiner Hand den mir die Elfenbeinerne Maus entwand.
Da ich die Muse nirgends finden konnte, fand ich endlich ein ihr eigends erbautes Hauß, das Theater, wo sie Abends bei eingesteckten Lichtern unter Begleitung vieler musikalischen Instrumente um ein geringes Geld einer Menge Menschen, die sich das Publikum nannten gezeigt werden sollte. Ich begab mich nicht ohne einiges Mistrauen hinein, und fand hier nichts als einen Markt niedriger Lust, eine Börse platter Meinungen, einen Nachtisch übel oder übermäsig genoßenen Mittagsmahls. Da mein Gesicht schwach ist, konnte ich mich nicht sehr an dem Anblick der Schauspieler erfreuen oder ärgern, und meine Ohren waren allein ausgesezt. Ich hörte daher, daß die meisten unmenschlich logen, gottlos windbeutelten, dumm raßten, sie deklamirten einzeln ganz gut, nur paßte es gar nicht zu den Worten die sie sagten, es war, als häten sie sich zu ihrem Text in den Noten vergriffen, einzelne aber decklamierten so, daß es wirklich unmöglich ist, in der ganzen Weite Menschlichen Lebens, Situation und Worte für solche Betonung zu finden, diese gefielen am meisten. So sehr nun matte Kriticker sich in der Rüge dieses unverstehenden Wohlgefallens am Falschen selbst wohlgefallen, so machte mir doch dieser Misgriff des Urtheils allein Freude, indem es die modernen Theaterdirectoren wiederlegt, welche sich ihre Eigne Bornirtheit dadurch verstecken wollen, daß sie behaubten, und auf alle weise das Publikum überreden wollen, es habe kein anderes Bedürfniß, als die Gemeinheit so gemein zu sehen, als sie sie ihm zeigen können, wäre dies wirklcih der Fall, wie könnte das Publickum, wie es doch überall geschieht, immer einen Schauspieler oder eine Schauspielerin, verehren, der durch seine unsinnige, verkehrte, prahlende, lügende, würgende Sprache die einzige Würtze der Plattheit ist. Das Wohlgefallen an solchen Ungeheuren ist mir der Beweiß eines höheren Bedürfnißes in der Kunst Ohne es zu wißen, daß sie fallen, richten sie ihren Blick nach diesen Tölpelhaften Unebenenheiten, die die Hacken sind, an denen die ihnen im Fleisch vernagelte Idealität sich träumend festhält. Eben so knüpft sich an Neugierde und Vorwitz der heiligste Trieb zur Wissenschaft, eben so schlujmmert unter dem Interesse an gräßlichen oder seltsamen Begebenheiten der schöne Trieb aus dem Martke des gemeinen Lebens mit den Göttern selbst in die Schranken zu treten, eben so leigt in dem oft beinah mathematischen point d'honneur, Ehre. Und Gott sei Danck, daß die Direcktoren und Dirigirten alles Kunst und Staatslebens nicht von diesen vergabenen Schätzen wissen, sie würden sie sonst in den Brunnen vergiften. So aber haben sie keinen wusnch, als Geld und Gelten, und alles ist ihnen Wehrt, waß Geldwerth gilt, an einen höhere Vergeltung glauben sie nicht. Also auch hier fand ich die Muse nicht, und ebensowenig als im pro patria auf einem Papierbogen oder Ofizier degen das Vaterland , ebensowenig als im Franzosenhaß die Deutschheit.
Ich sah hier, wie überall die Welt im bewustlosen Naturtreiben getrieben, und das bessere nur im Augenpunckte des Lebens selbst, der sich jedme einzelnen unendlicher entfernt, und ich glaube die Erlaubniß, das Theater in dieser Zeit so schlecht gegeben als genommen zu finden, dadurch hinreichend bezahlt zu haben, daß ich selbst den höchsten Grad der Schlechtheit im Nehmen für das äußerste Verdienst der Nehmen erkannt haben. Wenn erst alle Schauspieler ganz unnatürlich, lügenhaft und geschraubt, spielen, so daß aus gleicher Erhebnung falscher Leidenschaft, die Unebenheit wieder eine Ebene wird, dann kann aus der Raserei der Priester, eine Begeisterung, und so ein prophetisches Lied hervorgehen. Umgekehrt ist ein so glückliches Ereigniß in dem Publickum möglich, wenn erst alle die höchste Leidenschaftliche Verkehrtheit des Spiel bewundern, wird sich über die Fläche des Urtheils höherer Anspruch nach Dichtung und Darstellung emporheben. Trifft einstens ein solcher Zustand des Parterrs und der Bühne zussammen, dann geschieht ein großer Schlag, der Vorhang wird aufgehen, Publikum und Schauspieler werden sich einaner zugleich lachend und weinend anschauen, viele werden von der Bühne ins Parterre andere aus dem Parterre auf die Bühne steigen, an diesem Tage, werden alle Armeen zum Feinde überlaufen, und alle Monarchen und Direcktoren eine Zeitlang sich die Augen reiben, das übrige steht Gott anheim. Dda aber Jede Naturanschauung im Endpunckte eines Winckels, jede Weltanschauung im Glauben an einen Gott zusammeläuft, und ich einmahl zwischen den beiden Logenreihen das Schauspiel dieses Abends, wie einen Löffel voll rumfordscher Suppe, der nicht mehr rechts oder links kann, vor dem offnen Maule hatte, klemmte ich die Zähne zußammen, aber umsonst. Die Stimme der Topina d'Avorio, einer Könnerin drang mir durch Ohr ins Herz. Ich fragte die Umstehenden wer dieser weibliche Robinson auf der Affeninsel sei, da man mir aber außer ihrem Nahmen, so wohl dummes als schlechtes von ihr sagte, fragte ich nicht weiter, und lauschte ihr equickt zu.
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