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Die Formulierung von Jantschke, dass der Augsburger Zoo der richtige Ort sein, „Um auch die Atmosphäre von Exotik zu vermitteln“, führt mitten rein in eine kontroverse Debatte über den aktuellen Rassismus und seine historischen Vorläufer.
Die Formulierung von Jantschke, dass der Augsburger Zoo der richtige Ort sein, „Um auch die Atmosphäre von Exotik zu vermitteln“, führt mitten rein in eine kontroverse Debatte über den aktuellen Rassismus und seine historischen Vorläufer.
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Menschen, Tiere und Augsburger Sensationen

Vom Augsburger Zoo zu den Afrikabildern um 1900

Von Peer Zickgraf

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ig Brother“ hieß das Medienspektakel, mit dem im Jahr 2000 ein neues Kapitel der Fernsehgeschichte und der Populärkultur aufgeschlagen wurde. Da war er wieder zum Leben erwacht, der Menschenzoo, sagten die Kritiker, und einige erinnerten an die kolonialen Völkerschauen um die Jahrhundertwende 1900.

„Ausländer raus“: prangte im Juli 2000 auf einem Plakat über einem Containerdorf mitten in Wien. Es war der Slogan einer Aktion von Christoph Schlingensief. Eine bissige und ironische Performance aus dem Gewebe des Alltagsrassismus. Mitten in Wien und wie aus dem Tollhaus, in dem nicht die rauszukickenden Asylanten, sondern der aufgebrachte Mob auf der Straße die eigentliche Hauptrolle spielte. Das Fieberthermometer, das den latenten und manifesten Rassismus messen sollte, war – für alle sichtbar – ziemlich hoch ausgeschlagen.

Ein Revival
Nun scheint sich das Rad der Populärkultur, das eigentlich nie still steht, erneut zu drehen: „Um eine einmalige afrikanische Steppenlandschaft gruppieren sich Kunsthandwerker, Silberschneider, Korbflechter, Zöpchenflechter“ heißt es in einem Werbetext der Veranstalter des Augsburger Zoos. Das hört sich ganz nett an, doch worum geht es? Ein „African Village“ soll mitten im Augsburger Zoo entstehen: vom 9. bis 12 Juni 2005. Sie lesen richtig: 2005 nicht 1905. Im Prinzip weiß es jedes Kind: Wenn ein Unternehmen aufgrund der starken Konkurrenz stagniert, muss es neue Profitquellen erschließen. Schon Hagenbeck hatte es 130 Jahre zuvor nicht anders gehalten, als er seinen maroden Hamburger Zoo mit exotischem Personal aus Afrika, Lateinamerika oder Asien bestückte.

Doch die Chuzpe, mit der die Zoodirektorin Barbara Jantschke ihre Veranstaltung gegenüber dem lauten Chor der Kritiker, den es zu Hagenbecks Zeiten so nie gab, rechtfertigt, gibt der Angelegenheit Würze: Der Mitorganisator sei ein Schwarzer - und: „Natürlich wird dies von farbigen Managern gemanagt, und zwar sehr gerne – wir haben mehr Anfragen für Standplätze als wir befriedigen können. Wenn sie das mit 'Zur-Schau-Stellen' meinen, dann dürften auch keine internationalen Sportveranstaltungen mehr stattfinden, bei denen farbige Menschen zu sehen sind. Diese Veranstaltung soll im Gegenteil die Toleranz und Völkerverständigung fördern und den Augsburgern die afrikanische Kultur näher bringen. Sie können sicher sein, dass es nicht um einen Planungsfehler handelt und Sie können sich ebenfalls sicher sein, dass wir keinen anderen Veranstaltungsort suchen werden. Denn ich denke, dass der Augsburger Zoo genau der richtige Ort ist, um auch die Atmosphäre von Exotik zu vermitteln.“ Welch eine Arroganz, welch eine dummdreiste Selbstgerechtigkeit, gepaart mit diesem schmissigen Business Ton - drauf komme ich zurück.

Die „Atmosphäre der Exotik“
Das eigentliche Abenteuer einer Performance wie in Augsburg im Juni 2005 besteht in der Ungewissheit, ob das, was aus profaner Profitgier im Kleinen angestoßen wurde, etwas Größeres bewirkt. Oder ist es nur Symptom eines tiefer liegenden Phänomens? Vielleicht sollte man es als eine Art kultureller Post zu lesen versuchen, die etwas über das Eigene und das Fremde besagt?

Viele Fragen und große Verwirrung. Die Formulierung von Jantschke, dass der Augsburger Zoo der richtige Ort sein, „Um auch die Atmosphäre von Exotik zu vermitteln“, führt mitten rein in eine kontroverse Debatte über den aktuellen Rassismus und seine historischen Vorläufer.

Da kommt eine Veranstaltungsreihe über Afrikabilder in Deutschland im Kölner Filmhaus vom 2. Mai bis zum 11. Juni 2005 wie gerufen: „Und mein Onkel hat Plantagen fern in Afrika…“. In der Filmreihe, die von der Agentur scopium in Verbindung mit dem Rautenstrauch-Joest Museum für Völkerkunde und dem Kölner Filmhaus angeboten wird, werden Afrikabilder im deutschen Film von den Anfängen bis zum Wirtschaftwunder vorgestellt. „Es geht um den Blick auf Afrika, genauer, den deutschen Blick auf Afrika, es geht um unser Afrikabild in unseren Köpfen“, sagt Thomas Hammacher von scopium.

Das Afrikabild und seine filmischen Vorläufer
Woher kommen sie und welche Funktion erfüllen sie? Diese Frage stellte der Kunsthistoriker und erinnerte daran, dass Afrika sehr viel differenzierter sei als Europa. Für Hammacher ist die Filmreihe ein Startpunkt, um das Thema langfristig in Köln zu etablieren. Die neunteilige Filmreihe im Kölner Filmhaus wird übrigens von der SKStiftung Kultur und die Filmstiftung NRW unterstützt.

„Das Afrikabild hat Vorläufer“, sagte Hammacher im Rahmen seines einleitenden Vortrags. Dazu gehören die so genannten Völkerschauen. Diese zeichneten sich durch ihre szenischen Arrangements aus und die Überwindung von Raum und Zeit. Drei Filme illustrierten am 25. Mai die These, dass unser heutiges Afrikabild das von gestern ist. „Menschen, Tiere, Sensationen – Das Afrikabild in der Tradition der Kolonialausstellungen“ und „Chez les Tuaregs“ (1908) diese beiden Kurzfilme stimmten die Zuschauer auf das Thema ein und machten es mit der damaligen Kameraperspektive vertraut.

Ohne die Völkerschauen wären diese Filme gar nicht denkbar gewesen. Wenn man, wie Hammacher, „Film als eine Erfindung ohne Ursprung und eine technische Perfektionierung von bereits Gegebenem betrachtet“, dann wird die große Bedeutung der Völkerschauen für die Massenkultur im 19. Jahrhundert noch plausibler. Mehrere Szenen des anschließende Spielfilm „Allein im Urwald – Die Rache der Afrikanerin“ (1922), von dem Kölner Pianisten Wilfried Kaets begleitet, wurden in einem Zoo gedreht. Kulissen, wie aus Hagenbecks Panoramen. Doch was genau steckt eigentlich hinter dem seltsamen Wort „Völkerschau“? Dazu lesen Sie mehr im nächsten Beitrag bei Einseitig.info.

Was Andere denken:
Wikipedia
„Und mein Onkel hat Plantagen fern in Afrika…“

Literatur:
Urs Bitterli: Die 'Wilden' und die 'Zivilisierten'. Grundzüge einer Geistes- und Kulturgeschichte der europäisch-überseeischen Begegnung. München 1976.

Exotische Welten - Europäische Phantasien. Ausstellungskatalog Stuttgart 1987.

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Peer Zickgraf  08.06.2005blindgif zurück zur Startseite Diesen Artikel lesen Diesen Artikel ausdrucken Möchten Sie den Artikel ''Menschen, Tiere und Augsburger Sensationen'' weiterempfehlen?
 
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