m Jahr 1804 erscheint ein Roman, der wie eine seltene Perle in die Geschichte der deutschen Literatur eingegangen ist. Es ist der Sonderfall eines anonymen Werks, das berühmt wurde. Sprache und erzählte Welt mussten den Zeitgenossen dramatisch erscheinen, erstmals kippte der romantische Schwung ins Schwarze. Die Nachtwachen des Bonaventura haben den Begriff „schwarze Romantik“ geprägt. An unmittelbare Vorläufer wie Tiecks William Lovell anknüpfend wird der Tod, die Nacht und Nichts, beschworen, die Abwesenheit und auch wieder die barocke Puppenhaftigkeit der Welt, das Welttheater. Die Nachtwachen sind der Ursprung der von aller gothic. Und sie erscheinen erstaunlich aktuell, ein abseitger Blick auf das Treiben der Öffentlichkeit. Dass hier ein beachtliches Stück Literatur erschienen war, in dem Jahr, in dem Immanuel Kant verstarb, das haben schon die Zeitgenossen bemerkt. Gerade die außergewöhnliche Qualität des Romans hat zu einer geradezu kriminalistischen Suche nach dem wahren Autor geführt. Stil- und Sprachvergleiche wurden unternommen. Und alle "Großen“ waren, zum Teil bis heute, verdächtig. J. W. v. Goethe, ein Bubenstück des Olympiers, vier Jahre vor dem Faust? Oder Jean Paul, der die unglaubliche „Rede des toten Christus vom Grabe herab, dass kein Gott sei“ Jahre zuvor verfasst hatte? Auch E.T.A. Hoffmann kam, wie viele andere, in Frage. Heute scheint der Fall endgültig geklärt. Es ist ein weitgehend Unbekannter namens E.A.F. Klingenmann der, neben anderen anonymen Schriften, die Nachtwachen des Bonaventura verfasst hat. Im jugendlichen Schreibrausch hat er seine Sicht der Dinge in die Allegorie der Nachseite des Lebens gefasst. Dass sich nicht doch einer der Klassiker als Autor zu erkennen gegeben hat, ist immer noch ein kleiner Stich ins Herz der Literaturgeschichte. Das Internet liefert unter den Suchbegriffen „Bonaventura Nachtwachen“ bei einer beliebigen Suchmaschine Verweise auf weiterführende Literatur zu dem brillanten Roman, der in diesem Jahr seinen 200ten feiert. Einseitig.info nimmt dies zum Anlass, das gute Stück alter Literatur zeitgerecht portioniert unseren Lerinnen und Lesern als Fortsetzungsroman zu servieren. Jede Woche wird eine weitere Nachtwache erscheinen und die nächtliche Sicht auf das taghelle Leben durch zweihundert Jahre hindurch telegraphieren. Der Text folgt der schönen seltenen Ausgabe: Die Nachtwachen des Bonaventura, Berlin 1910 (mit 16 Vignetten eines ungenannten Zeichners), Nr. 39 von 50 auf Bütten abgezogenen Exemplaren. Die Seitenzählung entfällt, die Absätze bleiben identisch. Sprache und Rechtschreibung wurden nicht angeglichen und in der Form der Vorlage übernommen.